Die Wahrheit über die Buchmesse Teil 4

Walter Famler, der alte Kommunist und Herausgeber der österreichischen Literaturzeitung Wespennest hat den Skandal der Messe aufgedeckt. Auf der Buchpräsentation von Arnold Schwarzenegger sagte der „Governor“, der eigentlich „Ex-Governor“ ist, daß er 1945 in ein von den Russen besetztes Wien gekommen sei. „Befreit“ rief daraufhin Walter Famler und wurde von den Bodyguards abgedrängt, wobei man sich fragt, wieso Schwarzenegger Bodyguards braucht, ist er doch selber einer. Gestern ist er dann in die Schweiz abgereist, Famler, nicht Schwarzenegger, um dort im Geheimauftrag eine Sowjetrepublik zu installieren. Wenn ich in den nächsten drei Tagen nichts hören würde, sei die Mission gescheitert.
Bodyguards verstopften dann auch den Gang F in der Halle 4.1. Es war aber nicht Schwarzenegger, sondern nur Gauck, der sich mit dem Zonen-Verleger Christof Links von Christof Links Verlag unterhielt, der die Ostgeschichtsbücher herausgibt, aus denen sich das Weltbild von Gauck zusammensetzt. Das stimmt natürlich nicht, und ich weiß auch gar nicht, worüber die sich unterhalten haben, aber das wußte nicht mal der Verleger zu Klampen, zu dem Gauck im Anschluß ging. Ich fragte zu Klampen, ob er sich mit Gauck über Freiheit unterhalten hätte, und zu Klampen sagte, das könne gut sein, aber viel lustiger fand er seinen kaputten Schockfroster, der durch einen Schockfroster aus dem Altenheim ersetzt wurde, wobei mir nicht klar wurde, um was für einen morbiden Humor es sich in diesem Fall handelte. Das waren so die Aufreger der Messe. Auch sonst gab es kaum Sensationen zu verzeichnen, es sei denn, man will die Tatsache, daß der Fischer Verlag für die Essays einer 26-jährigen Amerikanerin 100.000 Euro auf den Tisch geblättert hat, und später noch 200.000 drauflegte, schon als Sensation werten. In der FAS stand dann allerdings doch noch eine kleine Sensation: Volker Weidermann freute sich darüber, von Sibylle Berg nicht mit Richard David Precht verwechselt worden zu sein, und noch mehr freute er sich darüber, daß sie ihm ganz lange die Hand schüttelte. Als ich das las, war ich sehr gerührt. Ich nahm mir vor, Volker Weidermann auch nicht mit Richard David Precht zu verwechseln. Jetzt müßte ich nur noch wissen, wie Volker Weidermann überhaupt aussieht.
Ich sprach dann noch mit Klaus Wagenbach, der zu mir sagte, ich sei doch derjenige, den er immer an irgendwelchen Flughäfen treffen würde. Das stimmt, aber eigentlich wars nur einer. Früher hätte er auf der Buchmesse ein ordentliches Zubrot verdient, heute könne er von den 100 Euro Umsatz nicht mal mehr Weihnachten feiern. Aber das käme eben davon, wenn Leute wie Krüger von Hanser immer das Ende des Buches beunken würden. Dabei käme es einfach darauf an, schön hergestellte Bücher zu machen, denn wenn man nur billig produziertes Plastikzeug kriegen würde, dann würden sich die Leser zu Recht fragen, warum sie nicht von einem E-Book ablesen sollen. Da hat er wahrscheinlich völlig recht.