Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Vor genau einem Jahr zur Eröffnung der letzten Saison, schrieb ich, ich würde einen Hunni auf die Verteidigung der Meisterschaft setzen. Hätte ich das bloß mal gemacht. Keine Ahnung, wie damals die Quoten standen. Heute stehen sie vermutlich schlechter. Trotzdem, diesmal werde ich es tun, und der Gewinn wird dann in die Respectbar getragen. Ich schätze, der ist schnell weggeschluckt. Diesmal allerdings waren die Dortmunder lange nicht so überzeugend wie noch vor einem Jahr gegen Hamburg, auch wenn Reus gleich den ersten Fehler der Bremer zum 1:0 ausnutzte. Reus, zum Fußballer des Jahres hochgelobt, verlor für einen, der diese Meriten erworben hat, erstaunlich oft den Ball, und erstaunlich oft kamen die Bälle von ihm nicht an. Es knirschte noch an vielen Ecken des Dortmunder Spiels. Allerdings muß man konzedieren, daß Bremen einen ziemlich guten Tag erwischt hatte, was überraschte, denn Bremen mußte sich nach der desaströsen letzten Saison rundum erneuern und die teuren Spieler abgeben. Daß es gleich am ersten Spieltag so gut klappte, war eigentlich nicht zu erwarten. Aber Arnautovic, der Mann mit dem verbissenen Gesichtsausdruck, stellte Schmelzer vor einige höchst knifflige Probleme, und auch sonst bewiesen die Bremer eine erstaunliche Ballsicherheit und die Dortmunder mußten dem Ball häufig länger hinterherlaufen als ihnen lieb sein konnte. Zudem merkte man das Fehlen von Pizszek auf der rechten Seite, der von Kirch ersetzt wurde, der bislang von einem Absteiger zum anderen gewechselt war. Aber Kuba war auch ohne seinen kongenialen Partner einer der besten Spieler Dortmunds. Wie er den Siegtreffer vorbereitete war schon nicht schlecht. Und auch Lewandowski zeigte wieder einmal, warum er die begehrlichen Blicke aller möglichen großen ausländischen Clubs auf sich lenkt. Nur Großkreutz kam so gar nicht ins Spiel. Als dann Götze für ihn eingesetzt wurde und den entscheidenden Treffer erzielte, waren alle neidisch, daß der BVB solche Spieler auf der Ersatzbank hat. Nur Götze deutete an, daß er nicht so glücklich darüber ist und lieber von Anfang an spielen würde. Aber an ihm kommt sowieso keiner vorbei, selbst dann nicht, wenn er nur 70 Prozent bringt, was immer noch mehr ist als bei anderen 200. Schade, daß Sahin zu Liverpool wechselt. Er, Götze und Reus wären das Traumtrio gewesen. Aber jetzt muß sich vor allem erstmal die Abwehr stabilisieren, denn Bremen zeigte oft genug deren Schwächen auf, und Dortmund hat bereits eine gehörige Portion des Glücks verbraucht, das einem in einer Saison zur Verfügung steht. Gladbach hat seine unglückliche Kiew-Pleite überstanden und gegen Hoffenheim drei Punkte geholt, und Hamburg, die schon vor dem ersten Spieltag als heißer Abstiegskandidat galten, haben tatsächlich die Erwartungen nicht enttäuscht und sich genauso präsentiert, wie man das von ihnen erwartet hatte, zerfahren, ohne Engagement, ohne Mut. Sie hatten noch Glück, daß sie nicht höher als 1:0 gegen Nürnberg verloren. Die Eintracht aus Frankfurt meldete sich mit einem Sieg gegen Leverkusen in der Bundesliga zurück, obwohl sie vom Schiedsrichter benachteiligt wurden und ihnen ein Elfer verweigert wurde. Und die völlig neu zusammengewürfelte Mannschaft aus Düsseldorf gewann überraschend 2:0 bei den überlegenen Augsburgern, aber ich schätze, das waren die ersten und die letzten Punkte für eine lange Zeit.