Arno Widmann

Dir war nach »Nostalgie« zumute, weshalb Du in Berlin auf einen Vortrag von Wolfgang Pohrt gingst, der seit zehn Jahren nicht mehr öffentlich aufgetreten ist, um darüber in der Berliner Zeitung zu berichten. Du fandest Pohrt »langweilig«. Das kann passieren, und wenn einem nichts weiter dazu einfällt, dann sollte man vielleicht lieber die Klappe halten, denn als Leser will man möglicherweise was über Pohrt erfahren. Über den erfährt man von Dir aber nur, dass er ein »kleiner, dünner, alter Mann« sei, was sich ein wenig nach Ressentiment anhört, wenn man selber glatzköpfig, dick und auch nicht jünger ist, für Dich offenbar Informationen, von denen Du annimmst, sie würden die Leser der Berliner Zeitung interessieren, aber da wären wir uns nicht so sicher. Genausowenig wie es irgendjemanden außer Dich selber natürlich interessieren dürfte, dass Du mit zwei alten Freundinnen in ein türkisches Restaurant gegangen bist, um dort »noch mehr Humus, Hühnchen, Lamm und Salat« zu essen und um über »die grassierende Verharmlosung unserer Generation« zu lachen. Das »noch mehr« fanden wir dann doch noch etwas amüsant. Nur die »Verharmlosung« war uns ein Rätsel, bis wir darauf kamen, dass Du selbst wahrscheinlich ganz fürchterlich gefährlich sein willst. Aber da können wir Dich beruhigen, in diesem Leben wird da nichts mehr draus, denn außer »noch mehr Humus, Hühnchen, Lamm und Salat« und dazwischen ein bisschen üble Nachrede tut sich nun mal nichts mehr bei Dir. Und das ist das Problem mit dieser »Generation«, die gern wichtig wäre, aber ein Leben mit »noch mehr Humus, Hühnchen, Lamm und Salat« fristen muß. Das ist natürlich bitter, aber die Tränen kommen uns deswegen auch nicht gerade.