Dampfender Kaffee in der Thermoskanne

Per Pettersons Roman »Pferde stehlen« ist als Taschenbuch bereits in die 9. Auflage gegangen und der Verlag macht mit der Bemerkung von Christine Westermann Werbung, die meint, man müsste das Buch verfilmen. Das wäre dann ein Film, »bei dem man ein bisschen weinen würde, aber gleichzeitig auch den Daumennagel anknabberte, weil es so spannend ist.« Ganz so sicher wäre ich mir da allerdings nicht, denn meistens geht die Romanverfilmung ja daneben, und dann weint man höchstens ein bisschen, weil die Verfilmung daneben gegangen ist. Das gilt natürlich genauso fürs Daumenanknabbern, allerdings muss ich hinzufügen, dass mir dieses Vergnügen nicht nur nicht bei der Verfilmung vorstellen kann, sondern auch bei der Lektüre des Buches entgangen ist. Unter Spannung stelle ich mir jedenfalls was anderes vor. Per Petterson jedoch ist ein Autor, der gerne lang und breit erzählt, z.B. wie er mit einer Einkaufstüte in die Küche geht, dann Wasser in die Kaffeemaschine füllt und sie einschaltet, dann die Motorsäge aus dem Schuppen holt, sowie eine kleine runde Feile, den Gehörschutz nicht zu vergessen, den er beim Kauf der Säge bekommen hat, dann aus der Garage Öl und Benzin holt und alles auf eine Steinplatte vor der Tür in die Sonne legt, dann die Thermoskanne holt, sich vor die Spüle stellt und wartet, bis der Kaffee durchgelaufen ist, dann die Thermoskanne mit dem Kaffee füllt, wobei noch erwähnt wird, das der Kaffee »dampft«, sich dann warme Arbeitsklamotten anzieht, hinausgeht, sich auf die Stufen setzt und die Säge langsam mit der Feile bearbeitet, bis jeder Sägezahn in der Kette glänzt. Und das alles nicht etwa, um damit irgendjemanden zu zersägen, was dann ja ein bisschen Spannung böte, wofür man den langen Anlauf vielleicht noch hinnehmen würde, sondern weil der Mann, der das alles tut, glaubt, das schon mal in einem Film gesehen zu haben: »einem Dokumentarfilm aus den großen Wäldern oder einem Spielfilm im Waldarbeitermilieu.« Und genau so liest sich das auch. Wie ein Dokumentarfilm, den es dann auf arte gibt. Jedenfalls bis Seite 78 geht das so. Vielleicht wird ja später noch jemand zersägt, aber das würde mir dann zu lang dauern, denn so toll finde ich es auch nicht, wenn jemand zersägt wird. Ich frage mich nur, warum so viele Leute sowas lesen. Um besser einschlafen zu können?

Per Petterson, “Pferde stehlen”, Roman, Fischer TB, Frankfurt 2012