Die Wahrheit über den 32. Spieltag

Ich muß mich bei einem Menschen entschuldigen. Der Sieg der Dortmunder gegen Gladbach war unnötig, und da ich großzügig aufgelegt war, hätte ich die Punkte den sympathischen Gladbachern geschenkt, wenn es nach mir gegangen wäre. Aber wer fragt schon mich. Dennoch wird man ja als Fan immer mit dem Verein identifiziert, und deshalb hätte ich die Punkte dem netten Peer Schmidt, gegönnt, der den Lesern dieser Zeitung nicht unbekannt sein dürfte, denn der ist Gladbach-Fan und mußte schon durch das ungerechte Pokal-Aus im Halbfinale gegen die Bayern genug mitmachen. Trotzdem war es natürlich schön, den souveränen Auftritt der Dortmunder zu beobachten, die sich leider nicht auf die Bayern verlassen konnten, die in der Schlußminute dann doch noch den Siegtreffer in Bremen zustande brachten, was aber gegen die Bremen in ihrer derzeitigen Verfassung keine Kunst ist. Aber ständig mit Last-Minute-Toren die Spiele zu drehen, darauf würde ich mich nicht verlassen. Sie haben zwar einen gewissen Spannungswert, aber sie zeigen auch, daß man eins eben nicht ist: souverän und überlegen. Und der bloße Wille reicht eben nur manchmal und das nur in Verbindung mit einer gehörigen Portion Glück. Aber eigentlich war es auch gut, daß Bayern gewonnen hat, denn das gab den Dortmundern den letzten Kick, sich nochmal richtig reinzuhängen. Und auch wenn Marcel Reif von der Überlegenheit der Dortmunder schwärmte, die Gladbacher waren durchaus gefährlich, und wenn ihnen in der ersten Halbzeit nicht zu Unrecht ein Tor wegen Abseits aberkannt und Reus ebenfalls wegen Abseits zurückgepfiffen worden wäre, als er allein auf Weidenfeller zulief, dann hätte die Sache schon mal anders ausgesehen. Zudem zeigten sie durchaus in vielen Situationen, daß sie den modernen, spielerischen und schnellen Kombinationsfußball nicht schlechter beherrschen als Dortmund. Als Perisic jedoch per Kopfball das 1:0 machte, hatte man nicht mehr wirklich das Gefühl, daß noch etwas passieren könnte, weit weniger jedenfalls als gegen Luschenmannschaften, die einmal aufs Tor schießen und sofort treffen. Aber nicht nur die Leistung der Dortmunder war beeindruckend, sondern auch der sympathische Auftritt der Spieler. Als Kagawa nach dem alles klarmachenden und von Lewandowski sensationell vorbereiteten 2:0 jubelte, da war das einfach nur Freude, ganz ohne Inszenierung. Wenn Ribéry einen Siegtreffer schießt, dann läuft er auf eine Kamera zu, brüllt hinein und zeigt ein erschreckend verzerrtes, weil eigentlich wütendes Gesicht. Und darin liegt der große Unterschied zwischen den beiden Meisterkonkurrenten. Es ist eine ganze Welt: die der Coolness und Lockerheit und die der Verkrampfung, Anspannung und Konkurrenz. Deshalb weint den Bayern auch niemand eine Träne nach. Und der Hertha auch nicht, die es sogar gegen die bereits abgestiegenen Pfälzer mit einer bemerkenswerten Gurkenleistung vergeigten. Aber das muß man erstmal schaffen und deshalb verneige ich mich tief vor Rehhagel und Preetz, die das Projekt 2. Liga so konsequent angegangen sind und umgesetzt haben. Chapeau!