Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Abends auf der Verlagsparty traf ich einen Bayern-Fan, der mich fragte: »Wollt Ihr nicht Robben kaufen?« »Viel zu alt«, sagte ich, bevor er vom Leder zog, was für ein Arschloch dieser Robben sei. Da konnte ich ihm nur zustimmen, auch wenn wir da wahrscheinlich eine unterschiedliche Perspektive haben, aber der Bayern-Fan regte sich auch darüber auf, daß die Hälfte aller Bayern-Stars gegen Mainz geschont wurden und über ein ziemlich ödes torloses Remis nicht hinauskamen, über das auch die Ultras nicht sehr erfreut waren: »Wir haben bezahlt, wir wollen was sehen! Wir sind euch doch scheißegal!« Solche Fans haben sich die Bayern herangezüchtet. Nicht schön, aber so ist das mit den Fans. Mitleid kann ich nicht wirklich empfinden. Bayern hatte jedenfalls schon vor dem Spieltag die Meisterschaft abgeschrieben, und das mit recht, denn Dortmund gewann in einem nervenaufreibenden Spiel hochverdient auf Schalke mit 2:1. Metzelder meine, das Spiel hätte keinen Sieger verdient gehabt, was aber nur Wunschdenken ist, denn auch wenn die Schalker mit 13:5 Ecken haushoch führten, war das kein Zeichen wirklicher Überlegenheit, und auch wenn die Schalker Pressing bis zum Umfallen spielten, es gelang ihnen nicht, das Dortmunder Spiel zu kopieren, denn ihre Möglichkeiten waren ein wenig limitiert und ihr Spiel bestand fast nur aus Kampf und Draufgehen. Damit gelang ihnen immerhin, die Dortmunder auf ihr Niveau herabzuziehen, denn in solchen Situationen bleibt nur, dagegen zu halten. Aber während die Dortmunder das mit fairen Mitteln taten, hatten die Schalker Glück, daß sie das Spiel mit elf Mann beendeten, denn zumindest Fuchs profitierte beim zweiten üblen Treterfoul an Kuba von der Nachsicht des Schiedsrichters, der Angst hatte, das Derby könnte durch eine gelb-rote Karte aus den Fugen geraten. Auch der ganzkörpertätowierte Schläger namens Jones durfte sich jede Menge übler Fouls leisten, bevor der Schiedsrichter sich bequemte, gelb zu zeigen. Außerdem hatte Dortmund einfach die besseren Chancen, die gewohnt souverän vergeben wurden, am Ende jedoch schaukelten die Dortmunder den 2:1-Vorsprung mit einer Coolness nach Hause, die man nicht gerade gewöhnt ist, wenn man an die Spiele gegen Stuttgart oder München denkt. Es war vielleicht kein hochklassiges Spiel. Aber das war gegen diesen Gegner auch nicht möglich. Jetzt hat Dortmund mit 25 Spielen ohne Niederlage einen neuen Rekord aufgestellt, hat in der Rückrunde von 42 möglichen Punkten sensationelle 38 geholt und hat bei drei noch ausstehenden Spielen acht Punkte Vorsprung. Bayern hat also nur noch sehr sehr theoretische Chancen auf den Titel. Im Abstiegskampf zeichnet sich langsam ab, daß in Berlin wohl die Lichter für Hertha so langsam ausgehen. In Leverkusen hat man zwar trotz einer roten Karte für Kobiaschwili einen 2:0-Rückstand in eine 3:2-Führung umgewandelt, aber sechs Minuten vor Schluß ließ Kießling die Träume der Berliner platzen, vielleicht doch noch aus dem Keller herauszukommen. Vielleicht dämmert es Preetz nun langsam, daß es keine gute Idee war, Rehhagel zu verpflichten.