Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Zwei Seiten opferte die FAZ auf ihren Kulturseiten für eine Anzeige, auf der ein riesiges Foto der vollbesetzten und fahnenschwenkenden Südtribüne abgebildet war mit dem Hinweis »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«. Ob auf dem Foto wirklich Leute zu finden sind, die die FAZ lesen, darf man bezweifeln, aber die »Zeitung für Deutschland« hatte den richtigen Riecher in der Wahl eines großen Sympathieträgers im Fußball und des Siegers in der Partie Meister gegen Herausforderer. Schon eine Stunde vor Spielbeginn war selbst ein BVB-Geheimtip wie die Respectbar überfüllt, sodaß ich mir ein ruhiges türkisches Wettbüro suchte, um bei dieser Gelegenheit viel Geld auf einen 2:1-Sieg der Dortmunder zu setzen mit einer Wettquote von 10:1, in der Hoffnung, von dem gewonnenen Geld meine Geburtstagsparty am Tag des Revierderbys finanzieren zu können. Und eigentlich wäre das auch genau das richtige Ergebnis gewesen, aber Lewandowski traf mal wieder nur zweimal den Pfosten, bevor er dann mit der Hacke verwandelte, und auch Großkreuz und Kagawa verschleuderten ein paar ganz große Gelegenheiten in der ersten Halbzeit, in der die Bayern bis auf Alaba eigentlich nur Statisten waren. Der Spieler des Abends aber war Robben, der sich gern bei jeder leichten Berührung sofort zu Boden wirft, um sich dort in wilden Krämpfen zu winden. An diesem Abend war er mir ausnahmsweise sehr sympathisch, denn er kriegte gegen das Duo Großkreutz und Schmelzer gar nichts auf die Reihe, er ermöglichte den schönen Hackentreffer von Lewandowski, indem er das Abseits aufhob, er verschoß einen Elfmeter und kurz darauf ballerte er aus vier Meter freistehend übers Tor. Das muß man erstmal bringen. Leider machte er dadurch allerdings auch meinen Tip zunichte, weshalb sich meine Sympathie für ihn wiederum in Grenzen hält. Es war der vierte Sieg in Folge für den BVB gegen Bayern, und auch wenn der Sieg mehr als verdient war, es war trotz allem knapp. Mittlerweile haben die Bayern in vielen Belangen zu Dortmund aufgeschlossen. Das Durchschnittsalter bei den Bayern wurde gesenkt und sie rennen mittlerweile auch mehr, aber all das nutzt nicht soviel, wenn man auf den Flügeln Leute hat, die sich ständig festrennen, und auch sonst kaum Ideen kreiert werden, sondern nur der Ball kreist. Aber mit reinem Ballbesitz gewinnt man keine Spiele, und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß das Spiel der Bayern leblos wirkte, ohne Emphase, ohne wirkliche Überzeugung, hier wurde nach Vorschrift gespielt, kontrolliert und darauf bedacht, Fehler zu vermeiden wie noch in den letzten Partien gegen Dortmund. Da war kein Zauber, keine Magie, während die Dortmunder nicht alles der Spielkontrolle unterwarfen, sondern auch auf Risiko spielten, und natürlich waren vor allem das polnische Trio Piszczek, Lewandowski und Kuba, aber auch der immer wieder nach vorne Ausflüge unternehmende Hummels, oder Kagawa und Gündogan, der mit einigen präzisen Pässen an Sahin erinnerte und ihn gleichzeitig vergessen machte, einfach gut aufgelegt und spielten, wie man besser kaum spielen kann, wenn da nicht immer die mickrige Chancenverwertung wäre, die den Spielen der Dortmunder immer das Prickeln und die manchmal unerträgliche Spannung verleihen. Aber darauf kommts ja letztlich an. Als nächstes muß jetzt Schalke aus dem Weg geräumt werden, die gegen Nürnberg mit 4:1 untergingen, weil sie sich für das Derby schonen wollten.