In der zauberhaften Welt des degenerierten Adels

Bislang habe ich jeden »Jeeves«-Band von P.G. Wodehouse gelesen, sobald er frisch aus der Druckerpresse herausgekommen ist, immer im feinen, kleinen Pappumschlag, ohne großes Layout-Brimborium, einfach, schlicht und vornehm, und nebeneinander gestellt sind es bereits über 20 cm Wodehouse, immer sorgfältig ediert von der Edition Epoca aus der Schweiz, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, diesen Schatz zu heben. Es ist ein Schatz wie im Märchen, er glänzt und glitzert und ist sagenumwoben, aber das wars dann auch schon, es ist ein Schatz um seiner selbst willen, er steht für sich und ist solitär. Anfangen kann man mit ihm nichts, außer ihn genießen. P.G. Wodehouse ist ein glänzender Stilist, der es allein durch seine sprachliche Eleganz geschafft hat, mich in eine Welt zu entführen, die mich eigentlich gar nicht interessiert: In die Welt des degenerierten Kleinadels im England des vorletzten Jahrhunderts, als die Damen noch eine Zofe hatten und die Herren einen Diener, zusammen Tee tranken und ausschließlich amouröse Verwicklungen bekakelten, die einem heute völlig am Arsch vorbeigehen, wo die Herren dumm wie Brot sind und die Diener alles irgendwie hinbiegen müssen. Aber was auf Tantenhaftigkeit programmiert zu sein scheint, ist hinreißende Literatur, witzig, absurd, verrückt, irrsinnig, und alles ist auf eine zauberhafte Weise leicht und plätschert vor sich hin. Man kann dabei sogar aufs angenehmste einschlafen, während der Protagonist Bertram Wooster sich noch um Kopf und Kragen redet und einen Stilbruch nach dem anderen begeht. Die Romanfiguren haben so wundersame Namen wie Catsmeat, Fink-Nottle und Winkworth und sie benutzen so schöne Worte wie »ausbüxen« und »Jungspund«. Dann sitzt man manchmal da und begafft, wie Wodehouse schreiben würde, das Geplauder, als wäre man ein Goldfisch. Wenn man also einmal im Jahr in eine beschwingt heitere Stimmung kommen will, dann hilft es, zum neuen P.G. Wodehouse zu greifen. Es ist immer wieder dasselbe, und man wird dennoch nie enttäuscht.

Der letzte Roman: P.G. Wodehouse »Jeeves wirkt Wunder«, Edition Epoca, aus dem Englischen von Thomas Schlachter, Zürich 2011