Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Kaum hatte ich geschrieben, daß Skippe ein Garant für den schnellen Abstieg sei, schon nahm sich Preetz das zu Herzen und entließ den ehemaligen Dortmunder. Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich schön die Klappe gehalten. Aber jetzt kommt Otto Rehhagel, der jeder Innovation abhold ist und für den Disziplin das wichtigste im Leben ist, jedenfalls solange er das Sagen hat. Gut möglich, daß Hertha jetzt doch nicht absteigt, denn als Meister der oldfashioned school steht Rehhagel für Mauern, Bolzen, Grätschen, Dazwischenhauen und taktische Fouls, und er steht damit für alles, was den Fußball unattraktiv macht. Damit hat er sogar mal die EM gewonnen und alle waren entsetzt. Und insofern war es gut, daß Dortmund noch rechtzeitig vor dem Beginn der Ära Rehhagel in Berlin antreten mußte. Interimschef dort war ebenfalls ein ehemaliger Dortmunder, Rene Tretschock, der die große Zeit des BVB in den neunziger Jahren miterlebt hat. Aber das ist lange her und wenn einer zwischenzeitlich bei einem Verein wie Hertha Karriere machen muß, dann heißt das ja wohl irgendwas, und zwar nichts Gutes. Dennoch waren die Berliner nach der desaströsen 5:0-Schlappe in Stuttgart sehr motiviert. Und warum, so dürften sie gedacht haben, sollte es nicht wieder so eine dicke Überraschung hageln wie in der Hinrunde, als Hertha in Dortmund 2:1 gewann. Aber da war Raffael sensationell gut drauf, und während die drei Punkte vor einem halben Jahr ganz allein ihm zu verdanken waren, vergeigte er es diesmal. Hummels, der bislang verläßlichste im Dortmunder Spiel war nämlich völlig von der Rolle und gewährte Raffael zwei riesige Chancen, die er beide verstolperte. Und das war ja auch mal gerecht, denn Dortmund war einfach viel besser, ohne sich allerdings wirklich Chancen herauszuspielen, jedenfalls nicht viele, aber eine davon nutzte Großkreutz dann per Fallrückzieher. Der Rest des Spiels bestand im Zittern, womöglich sich noch ein krummes Ding einzufangen, was gegen einen Gegner wie Berlin immer mal passieren kann. Es zeigte sich, daß Dortmund gleich zwei seiner genialen Spieler nicht ersetzen kann, denn nach Götze fiel auch der zuletzt grandios aufgelegte Kagawa aus. Ein Spiel, das man am besten schnell vergißt, wenn es das dämliche Fußballgedächtnis zuließe. Gladbach hingegen zauberte wieder, als wollten sie Tore des Monats in Serie fabrizieren, und ließen Kaiserslautern schlecht aussehen, während die Bayern beim Tabellenletzten Freiburg nicht über ein torloses Remis hinauskamen. Jetzt schrillen in München die Alarmglocken, denn das Spiel war schlecht, obwohl sich die Chefs mit einem Schiedsrichterbashing, demzufolge die Männer in Schwarz die Bayern benachteiligten, arg ins Zeug legten. Eine Statistik belegte dann jedoch, daß Bayern der Verein ist, der ganz oben auf der Liste der von den Schiedsrichtern begünstigten Mannschaften steht. Man hatte versucht, vom Wurm abzulenken, der sich im Spiel der Bayern eingenistet hat. Jetzt sind sie vier Punkte hinter Dortmund, und lustig wäre es schon, wenn sich die Vision der Bayern bestätigte und die beiden Borussias die Meisterschaft untereinander ausspielen. Aber es ist leider noch ein bißchen zu früh, um sich darüber zu freuen.