Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Es gibt Mannschaften, bei denen scheitert jeder gute und innovative Trainer, der bei anderen Mannschaften viel Erfolg hatte. Stanislawski ist so einer, der jetzt von Hoffenheims Hopp entlassen wurde, weil die Spieler einen Trainer, der mit Begeisterung bei der Sache ist, nicht verstehen und deshalb Kraut und Rüben spielen. Dutt ist der andere, der in Leverkusen an der falschen Adresse ist. Seine Philosophie, mit der er in Freiburg noch Wunder bewirkt hatte, verpufft in einem Verein, bei dem Geld keine Rolle spielt und wo man glaubt, eine Meisterschaft kaufen zu können. Daß das nicht funktioniert, ist das Schöne am Fußball. Leverkusen wird es nie zu mehr bringen als zu Platz Zwei. Und selbst davon ist man in dieser Saison weit entfernt. Gegen Dortmund hätte es unterhaltsam werden können, aber Leverkusen tat alles, um das zu verhindern, indem man offensichtlich in Erwartung einer Niederlage auf dem Rasen das Konzept verfolgte, möglichst nicht allzu viele Tore zu kassieren. Dieser Plan schien in den ersten zehn Minuten nicht aufzugehen, denn da furiosten die Schwarzgelben wieder in Höchstgeschwindigkeit über den Rasen, daß man selbst als Zuschauer Mühe hatte, dem Spiel zu folgen. Danach griff Leverkusens Taktik des zähen Spiels, von dem die Leverkusener selbst dann nicht abrückten, als die Dortmunder mit einem Zaubertor von Kagawa, von allen als das Tor des Tages gekürt, in Führung gingen. Aber Leverkusen tat so, als ob nichts passiert wäre, spielte weiter, als ob man sich ein Unentschieden erwürgen wollte. Wie es diese Mannschaft durch die Gruppenphase der Champions-League geschafft hat, ist eines der großen Rätsel des Weltfußballs. Ein anderes großes Rätsel ist Gladbach, das den direkten Konkurrenten in der Viererspitzengruppe Schalke mit 3:0 völlig demontierte und zwar mit konterschnellem und zauberhaftem Kurzpaßspiel, dem man die Barca-Schule ansieht. Das Rätsel ist nicht, daß Gladbach diesen erfolgreichen Spielstil kopiert, sondern daß sie damit auch erfolgreich ist, d.h. daß Gladbach diesen Spielstil ziemlich gut umzusetzen in der Lage ist. Lucien Favre ist mit Sicherheit ein guter Trainer, aber öffentlich hat er nicht sehr viel mitzuteilen, immer nur das eine, daß nämlich in einer Woche das nächste wichtige Spiel bevorstehe, auf daß man sich vorbereiten müsse. Eine Philosophie steckt da nicht dahinter, aber auf dem Platz sieht das ganz anders aus. Das konnte man schon im Spiel gegen die Bayern bewundern, als der Gegner vor dem 3:0 durch ein perfektes Kurzpaßspiel außer Gefechte gesetzt wurde, bevor der tödliche Paß gespielt wurde. Erstaunlich ist, daß Gladbach das Niveau immer noch aufrechterhalten kann, und das mit so einer Flasche wie Hanke, der noch nie gut war und jetzt im Zusammenspiel mit Reus und Arrango plötzlich glänzt. Und sonst? Freiburg wird um einen Punkt betrogen, weil ein Schiedsrichter, der plötzlich mit einem VW der oberen Preisklasse herumfährt, Wolfsburg ein Abseitstor schenkte. Und Stuttgart, noch chancenlos im Pokal gegen Bayern, zerlegt Hertha mit einem grandiosen 5:0, der 5. Niederlage in Folge für Skippe, dem Garant für einen schnellen Abstieg.