Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Überraschung in der Respektbar, wo die Respektbarfrau nach einer Invasion von BVB-Fans, die von der Milchbar aus Gründen der Überfüllung weggewandert sind, einen neuen Flachbildfernseher über der Tür installiert hat. Jetzt kann man prima am Tresen sitzen und sich das Genick eineinhalb Stunden lang verrenken. Aber das ist gar nicht die Überraschung. Die Überraschung besteht in einem Überraschungsgast. Der eingefleischte Schalke-05-Fan Alfred ist auch da. Er wird aber sehr freundlich behandelt. Er kann sogar sein i-Phon mit S05-App auf dem Tresen liegen lassen, ohne daß was drüber geschüttet wird. Alfred hat aber auch wirklich Pech: Fast alle seine Freunde sind BVB-Fans, und die schicken ihn dann in Kneipen, wo nur Dortmund-Fans sind und kein einziger Schalker, mit dem er sein Leid hätte teilen können. Und leiden muß er. Ganz allein für sich in einer Horde Hohngesänge brüllender Schwarzgelber. In ihrem ganzen Leben werden die Schalker nie die Schale berühren, grölen sie, und wenn man das Derby zum Maßstab nimmt, dann scheint das zu stimmen, derart dominant treten die Dortmunder auf, und das nicht nur, weil Götze nach dem Arsenal-Pferdekuß wieder mitspielen konnte und wieder einige glanzvolle Auftritte hatte. Das gesamte System der Verschiebung und das Kloppsche »Spiel gegen den Ball« wurde wie schon gegen die Bayern perfekt inszeniert. Die Schalker fanden in der Regel einfach keinen Mitspieler und wurden gezwungen, riskante Bälle zu spielen, die in der Regel in den Dortmunder Reihen landeten. Das Erstaunliche war, daß die zentrale Mittelfeldfigur Bender, der in London einen doppelten Kieferbruch erlitt, überhaupt nicht vermißt wurde. Es ging kein »Bender-Riß«, wie Joachim Kròl witzelte, durch die Mannschaft, vielmehr wurde er durch Leitner glänzend ersetzt. Wie das schmächtige Hemd die Schalker manchmal wie Slalomstangen stehen ließ und Präzisionspässe spielte, das erinnerte fast ein wenig an das »Schnitzelchen« Rosi Rosicky. Es könnte für Bender gar nicht mehr so einfach werden, nach längerem Ausfall wieder in die Mannschaft zurückzukehren, und auch Subotic wurde durch Santana mehr als ersetzt, auch wenn dessen Ballbehandlung manchmal etwas unbeholfen aussieht. Und Lewandowski befindet sich gerade in der Form seines Lebens zum Verdruß von Barrios, der sich nach einer längeren Verletzungspause jetzt plötzlich auf der Bank sieht. Diesmal aber durfte er zusammen mit Lewandowski ran, weil der auch hinter der Spitze spielen kann, was Klopp eine weitere Spieloption eröffnet. Und das ist gut, denn da in der CL-League nur noch sehr theoretische Möglichkeiten bestehen und wahrscheinlich sogar die Euro-League flöten ist, muß man sich über den nationalen Wettbewerb für höhere Aufgaben qualifizieren, und da kommt in einer Woche bereits der nächste Hammer: Gladbach, die sich gerade auf einem Höhenflug befinden und Köln mit 3:0 wegputzten. Laut Köln-Trainer Solbakken »das stärkste Team der Liga«. Dann gibt es das Treffen der beiden einzigen Bayern-Bezwinger in dieser Saison, und dann wird man sehen, wer den Bayern wirklich gefährlich werden wird.