Last Exit St Aubyn

»›Ich bin eine autoaggressive, therapieresistente Depressive‹, erzählte sie ihm. ›Man hat mich auf acht verschiedene Tabletten gesetzt.‹ ›Acht‹, sagte Patrick bewundernd. Er selbst bekam nur noch drei.« Wir befinden uns in der wunderbar bizarren Welt des »Meisterstilisten« Edward St. Aubyn, und das merkt man an dem kleinen Wörtchen »bewundernd«, das an diese Stelle paßt wie eine Kröte auf einem Himbeereisbecher und das jeden zusammenzucken läßt, der glaubt, die Welt verbessern zu können, indem er sie mit Moral vollkleistert. St. Aubyns Figuren sind Zyniker und Schweine, sie sind boshaft und abartig, aber sie eins nicht: langweilig. Die Welt des immensen Reichtums, der sie entstammen und die sie deformiert, ist eine Welt der psychischen Abgründe, in der Moral und Mitleid nicht angebracht sind, weil sie in diesem Universum völlig deplaziert wirken würden. Aber damit wird man ja schon bei der täglichen Zeitungslektüre belästigt, weshalb man sich nicht auch noch in einem Roman belehren lassen will. Hier will man brillante Gemeinheiten lesen, und damit wird man auch im fünften und letzten Band der Familiensaga von St. Aubyn bestens versorgt. Er schreibt mit solch einem hinterhältigen Witz, mit so feiner Ironie, mit solch galantem Sarkasmus, das man über der Lektüre sogar ein Rendevouz vergessen könnte.

Edward St Aubyn, »zu guter letzt«, Piper, München 2011, 222 Seiten.