Die Wahrheit über den 13. Spieltag

In einem Interview vor dem Spiel wartete Jürgen Klopp mit einer eigenartigen Strategie auf. Man wolle die Bayern als klaren Favoriten im Spitzenspiel auf »das Niveau der Dortmunder herabziehen«, und wenn man das geschafft habe, dann könne man mit etwas Glück auch einen Sieg einfahren. Niveau? Nimmt man das Niveau als Maßstab, das die Dortmunder gegen Wolfsburg an den Tag legten, dann kann man der Aussage Klopps eine gewisse Ironie nicht absprechen, denn auf ein bereits extrem hohes Niveau kann man schlecht jemanden »herabziehen«. Es wurde auf dem Spielfeld dann aber schnell klar, was Klopp gemeint hatte. Die Dortmunder spielten wie zuletzt auch gegen Piräus keinen Hurra-Fußball, sondern einen schnörkellos effektiven Fußball, in dem die Räume zugestellt und eng gemacht wurden, um die Bayern zu zwingen immer wieder nach hinten zu spielen, was manchmal sogar so weit ging, daß der Ball vom Strafraum der Dortmunder bis zu Neuer gelangte, ohne daß ein Dortmunder am Ball gewesen wäre. Die Dortmunder Defensive war wach und konsequent, Schmelzer ließ Robben, der nach sechs Wochen wieder zum ersten Mal auf dem Platz stand, keinen Raum und störte bereits bei der Ballannahme, und wenn Robben mit seinem Standardtrick nach innen ziehen wollte, stand da Großkreutz, und auch auf der anderen Seite hatte Piszczek Ribery im Griff und noch Zeit, nach vorne Druck zu machen, während die beiden Abräumer Kehl und Bender ja auch noch da waren, um die Münchner Kreise zu stören. Bayern hatte den größeren Ballbesitzanteil, aber den hatte der BVB auch schon häufig, um am Ende dann doch zu verlieren. Bayern hatte jedoch auch sonst alle Statistikwerte auf seiner Seite. Nur ein Wert sprach für Dortmund, und das waren die gelaufenen Kilometer. Fast zehn Kilometer waren die Dortmunder mehr gelaufen. Es war mit dem Hasen und dem Igel. Über wo ein Bayernspieler hinlief, war schon ein Dortmunder. Die Dortmunder gewannen also das Spiel durch bloße Präsenz, sieht man einmal davon ab, daß das Spiel eigentlich unentschieden hätte ausgehen müssen, wie Heynckes monierte, aber Gerechtigkeit gibt es im Fußball nicht. Und deshalb war der entscheidende Faktor die Präsenz, und eben nicht der Ballbesitz. Dadurch allerdings wird der Fußball nicht spektakulär. Attraktiv war das Spiel nur für Taktikfreaks. Das rauschende Ballfest fand an diesem Spieltag in Gladbach statt, wo Werder mit 5:0 demontiert wurde und sich nach dieser Vorstellung aus dem Kreis derer verabschiedete, die oben mitmischen werden. Neben Gladbach unterstrich auch Schalke seine Ambitionen auf die ersten vier Plätze mit einem beeindruckenden 4:0 gegen den Club. Während in Köln nur Schiedsrichter Babak Rafati mit einem Selbstmordversuch beeindruckte, der zur Spielabsage der Begegnung Köln-Mainz führte. Jetzt will DFB-Boß Zwanziger zum »Innersten der Menschen vordringen«. Und da fragen sich alle, warum Rafati Schluß machen wollte. Wahrscheinlich ist nämlich bereits im Vorfeld von der Zwanziger-Strategie etwas zu den Schiedsrichtern durchgedrungen.