Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Was für eine Gala! Nun ist Wolfsburg nicht gerade eine Luschentruppe und rein vom Klang der Namen könnte man denken, daß sie ziemlich weit oben mitspielen. Gut, die Mannschaft ist zwar von Magath neu zusammengewürfelt, aber das ist ja mittlerweile eine Spezialität von Magath, und bislang hatte er immer Erfolg damit. Diesmal scheint ihn das Glück verlassen zu haben, denn nach der Klatsche übte er sich in einer Art Selbstkritik, denn er sagte, daß einige Spieler ihre Leistung nicht bringen würden. Darin aber besteht genau die Aufgabe eines Trainers. Vielleicht hat es Magath einfach noch nicht geschafft, die neu zusammengesetzte Truppe zu einer Einheit zu schweißen, wofür symptomatisch Hleb steht, der seine große Zeit in Stuttgart hatte, bevor er sich eher glücklos in Barcelona versuchte, und dem nach langer Verletzungszeit auch in Wolfsburg nichts mehr zu gelingen scheint. Vielleicht lag es auch an der beeindruckenden Choreographie der Südtribüne, die einen überdimensionalen Deathmetallkopf auf einer riesigen Stoffbahn präsentierten, daß Wolfsburg so auseinandergenommen wurde. In den ersten zehn Minuten schlugen die Wolfsburger zwar ein hohes Tempo an und wollten mitspielen, aber danach wurde schnell klar, daß ihre Chancen mit der von Magath vorgegebenen Taktik, nämlich hoch zu stehen und das Spielfeld eng zu machen, sehr gering waren, denn solchen Technikern wie Götze und Kagawa kommt das sehr gelegen. Und wenn sich vorne Räume bieten wie bei den Wolfsburgern, die nach dem zwischenzeitlichen kuriosen Anschlußtreffer mehr wollten, dann kommt der Zauberfußball, zu dem Dortmund in der Lage ist, erst richtig zur Entfaltung. Und in diesem hinreißenden Kombinationsfußball spielte auch wieder Leitner eine großartige Rolle. Wolfsburg setzte sich durch grobe Fouls zur Wehr. Träsch grätschte brutal Piszczek um, Salihamidzic, der an der langen Leidenszeit von Kehl nicht unschuldig war, provozierte Großkreutz und ließ ihn auflaufen, und Kyrgiakos verpaßte Subotic mit dem Ellbogen einen Mittelgesichtsbruch. Die Dortmunder hingegen ließen sich von ihrem leichten, fast körperlosen Fußball nicht abbringen und glänzten durch feine Pässe und schnelle Kombinationen. Fußball zum Verlieben, und zum ersten Mal hatte man nicht den Eindruck, daß jemand wie Sahin fehlt, allerdings war Wolfsburg diesmal kein Gradmesser. Erst wenn es gegen Bayern und gleich danach gegen Arsenal geht, wird man wirklich sehen, ob sich der Zauberfußball auch gegen solche Mannschaften durchsetzen kann. Arsenal hat rechtzeitig vor dem für den BVB wegweisenden CL-Spiel für Götze 60 Millionen geboten, aber weder Götze noch der Verein haben ein Interesse daran. Und das ist ja auch das Schöne, daß der BVB nicht mehr auf solche Angebote angewiesen ist. Klar, irgendwann wird auch Götze nicht mehr zu halten sein, denn wer will seine Jugend schon in Dortmund verbringen. Aber das nächste Talent wurde bereits verpflichtet. Es heißt Leonardo Bittencourt, ist 17, kommt aus Cottbus und kostete 3,5 Millionen.