Die Wahrheit über den 4. CL-Spieltag

Als glanzlos und schmucklos wurde der 1. Dortmunder Sieg in der CL gegen Piräus abgetan. Das sei ihm völlig egal, meinte Klopp, in diesem Fall zählen nur die drei Punkte und mit ihnen die Offenhaltung einer Perspektive, denn hätten die Dortmunder nicht gewonnen, dann wäre das Abenteuer Königsklasse zwei Spieltage vor Beendigung der Gruppenphase bereits vorbei gewesen. Klopp hatte seiner Mannschaft diesmal ausdrücklich taktische Disziplin verordnet. Auf keinen Fall sollten die Spieler wieder ins offene Messer des Gegners rennen und wieder nur gute Kürnoten bekommen, aber trotzdem verlieren. Klar, es war zwar kein grandioses Spiel der Dortmunder, es war kein offener Schlagabtausch wie zuletzt gegen Stuttgart, als das Spiel hin- und herwogte, die Schwarzgelben entwickelten keine drückende Überlegenheit, sieht man von den ersten zehn Minuten ab, in denen sie wie die Feuerwehr loslegten und auch gleich den einzigen Treffer des Abends erzielten nach schöner Vorarbeit von Götze, aber sie leisteten sich in der Abwehr auch keine großartigen Schnitzer, die ihnen in den vorangegangenen Spielen alles verdarben. Dennoch war es ein unglaublich intensives Spiel, das durch den knappen Vorsprung immer spannend blieb. Piräus war der starke und unangenehme Gegner, der immer Druck zu machen verstand, aber nie wirklich zu großen und zwingenden Chancen kam. Und darauf kam es diesmal an. Zudem spielten die Dortmunder zwei weitere Riesenchancen heraus, aber der sonst eigentlich eher zuverlässige Perisic schoß übers Tor und Lewandowski, der schon den Keeper umrundet hatte, traf nur den Pfosten. Die CL-Gegner Dortmunds hätten daraus zwei weitere Tore gemacht und dann hätte sich das Spiel ganz anders angehen lassen. So blieb es über die gesamte Spielzeit spannend, und das zeichnet Dortmund ja auch aus. Hier gibt es keine öden Spiele, in denen ein Ergebnis verwaltet wird, nicht mal, wenn es diesmal taktische Vorgaben gab, Konter zu vermeiden und Fehler zu minimieren. Dennoch versuchten es die Dortmunder zu häufig mit langen Bällen, die eine sichere Beute der großen Piräus-Spieler waren, und auch die Präsenz am Ball, die sich im Ballbesitz ausdrückt, kippte in der 2. Spielhälfte zugunsten von Piräus. Für den BVB war das alles andere als ein einfaches Spiel, denn man hatte alles zu verlieren, und da geht man nicht unbeschwert in die Partie. Trotz dieser schwierigen Bedingungen zeichnete sich ein neu entdecktes Juwel bei den Dortmundern aus. Der erst 18-jährige Moritz Leitner ließ sein großes spielerisches Potential aufblitzen, so daß man ihn manchmal sogar mit Götze hätte verwechseln können. Er war für den verletzten Bender eingesprungen, und er macht nun einem der wenigen Spieler, die einen Stammplatz haben, Konkurrenz, während Gündogan bei solchen Mitspielern wohl so schnell keine Chance haben wird, die Bank wieder zu verlassen, denn dort warteten an diesem Abend auch noch Kagawa und Kuba, die beide zu Kurzeinsätzen kamen, aber den Charakter des Spiels nicht verändern konnten. Selbst wenn Dortmund die beiden kommenden Spiele gegen Marseille und Arsenal gewinnen sollte, verheißt das noch keinen automatischen Einzug in die KO-Runden, aber einen guten Eindruck könnten sie noch hinterlassen.