Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Ich muß gestehen, langsam wird mir Köln doch ganz sympathisch, nicht nur wegen des überaus zuvorkommenden Auftritts in Westfalenstadion, bei dem sie sich gegenüber den Dortmundern mit fünf Treffern mehr als großzügig erwiesen, auch die Fans muß man loben, denn die nahmen die heftige Klatsche mit Humor, johlten und klatschten, als ob sie gerade einen historischen Sieg errungen hätten und feierten nach dem Schlußpfiff ihre bedröppelten Spieler ebenso wie die Dortmunder. Großkreutz machte mit ihnen sogar die Welle, ein Experiment, für das ihm alle anderen Fans den Mittelfinger gezeigt hätten, die Kölner jedoch schienen sich bei den Dortmundern für das tolle Spiel zu bedanken, das es in der Tat war. Die Überlegenheit läßt sich mit Zahlen eindrucksvoll belegen: 27:2 Torschüsse wurden abgegeben, wobei die Kölner in der 86. Minute das überhaupt zum ersten Mal versuchten. Schade, es wäre das erste Mal gewesen, daß eine Mannschaft kein einziges Mal aufs Tor geschossen hätte. Aber auch sonst ließen die Kölner den Dortmundern viel Platz und gingen immer auf vornehme Distanz zum Gegner. Die Dortmunder nutzten diese überraschenden Freiheiten und spielten sich ihren Frust von der Seele, der sich seit der 3:1-Schlappe in der CL-Begegnung bei Olympiakos Piräus angestaut hatte. In Athen war aus unerklärlichen Gründen der Wurm drin, denn auch wenn der Gegner da anders zur Sache ging, Piräus würde in der Bundesliga vermutlich höchstens um einen Euroleague-Platz mitspielen. Einen schlechten Tag kann man natürlich immer erwischen, aber die Erfolglosigkeit auf europäischer Ebene hat bei den Dortmundern schon fast Methode, allerdings wird dort vor allem mit der Minimierung von Fehlern gearbeitet und nicht mit Risiko, wie das Credo der Dortmunder lautet. Wenn den Dortmundern in der heimischen Liga mal einen Fehler unterläuft, dann heißt das – im Unterschied zur CL – noch lange nicht, daß auch ein Tor fällt. Die Kölner waren allerdings in der Regel so weit weg von Ball und Gegner, daß ihnen auch die größten Geschenke der Dortmunder nichts genutzt hätten. Und insofern war Köln zwar ein wunderbarer Aufbaugegner, aber kein Härtetest. Vermutlich wird den Dortmundern bereits morgen (Dienstag) im Pokalspiel gegen Dresden mehr abverlangt. Und dann kann man nur hoffen, daß die nach oben zeigende Formkurve von Kagawa, Großkreutz und Gündogan anhält. Vor allem der als Nationalspieler gehandelte Gündogan hat bislang noch nicht Tritt in Dortmund fassen können, obwohl er in Nürnberg eine hervorragende Saison spielte. Okay, auch ein Sahin hatte nicht von Beginn an die Weltklasse, die schließlich auch Mourinho auffiel, aber das heißt eben, daß Gündogan zur Zeit keine Hilfe ist, um die Dortmunder international weiterzubringen. Vielleicht gelingt ihm das in einem Jahr, in dieser Saison jedoch wird sich Dortmund ohne Spielmacher behelfen müssen, von dem man glaubte, er würde aussterben, aber wie man am Non-Plus-Ultra-Fußball Barcelonas sieht, braucht der moderne Fußball eine, besser zwei kreative, reaktionsschnelle Spieler und präzise Paßgeber.