Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Diesmal wußte ich es. Ganz sicher. Ich schwöre es. Und deshalb war ich auch nicht nach Wolfsburg gefahren, denn diese Pleite wollte ich mir nicht antun, vor allem nicht bei einem VW-Verein. Mit einem 4:0 machten die Dortmunder den guten Eindruck, den sie zuletzt hinterlassen hatten, wieder zunichte, und zwar gründlich. Von Champagner-Fußball war da die Rede gewesen, als sie mit dem höchsten Sieg seit werweißwieviel Jahren die Arminia schwindlig spielten und nebenher auch noch Ernst Middendorp abschossen, den Mann, der einmal zu einem unbotmäßigen Journalisten gesagt hatte: »Knien Sie nieder, Sie Bratwurst!« Was aber seine einzige lustige Idee gewesen sein soll, denn sonst ist er ein humorloser und obendrein arroganter Trainer, und insofern kann die Arminia den Dortmundern sogar dankbar sein, denn ohne ihn gewannen die Arminen gegen zuletzt bei ihrem kurzen Ausflug in die Campions-League von Barca vorgeführte und deshalb besonders motivierte Stuttgarter, die sich frustriert gleich zwei rote Karten abholten. Aber in Dortmund nahm man die mediale Meinung, die nach dem Spiel gegen Bielefeld verbreitet wurde, für bare Münze und wähnte sich nach zwei gewonnenen Spielen gleich wieder auf dem direkten Durchmarsch in die europäische Königsklasse. Zwar fehlten Kehl und Kringe, aber versagt hatten die Dortmunder als Kollektiv, wie Doll resümierte. Ein Kollektiv, das man gerade erst wieder entdeckt zu haben glaubte, nur weil man ein wenig miteinander geredet hatte. Die Laune war gut, die Leistung dann jedoch unterirdisch. Und niemand kann sich einen Reim darauf machen, wie die schwankende Leistung zu erklären ist. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, daß den Dortmundern eine Hackordnung fehlt, ein Fidel Castro, der dem Rest sagt, wo es lang geht. Vielleicht würde ihnen ein wenig sozialistische Diktatur nicht schaden, statt weiterhin auf Doll mit – naja – menschlichem Antlitz zu setzen, in das sich nach der Negativbilanz der Hinrunde schon tiefe Falten eingekerbt haben. Die Angst vor der Kritik, die alles schlecht mache und die Petric in einem Interview einmal monierte, um die mäßige Leistung zu erklären, ist da ein wenig lächerlich. Vor allem, wenn sich einige Fans schon überlegen, zu Hause zu bleiben, um die Spieler nicht unnötig zu verwirren, die vielleicht Probleme mit der Stadionatmosphäre haben könnten. Verwundern dürfte es die Spieler auch nicht, daß einige enttäuschte Fans mit einer Sitzblockade den Bus an der Abfahrt hinderten. Ein bißchen können sie ruhig abkriegen von dem Ärger, den sie ihren Anhängern bereiten. Kein schöner Saisonausklang also. Aber wenigstens ist auch Bayern von der Rolle, die in einem mäßigen Spiel gegen mäßige Herthaner über ein torloses Remis nicht hinauskamen. Und wie Bremen Leverkusen deklassierte, das war schon allererste Sahne. Vor allem, weil Ivan Klasnic nach zwei Nierantransplantationen und zwei Toren wieder zurück ist und eine Art Wiederauferstehung feierte. Punktgleich mit Bayern werden jetzt die Karten für die Rückrunde neu gemischt.Und alle dachten, Bayern wäre schon Meister. Daran hält unbeirrt nur noch Oliver Kahn fest.