Buchmessenreport Teil 2

Vito von Eichborn ist zurück. Er prangt auf dem Titel der Buchmessen-FAZ, dem täglichen Klatschblatt, das auf dem Messegelände verteilt wird. Er grüßt in die Kamera, neben ihn Matthias Oehme vom Eulenspiegel Verlag und Thomas Schneider vom Allpart Media. Aber das ist jetzt nicht so wichtig. Er sitzt auf einem Louis-Quinze-Sessel im Frankfurter Hof. Und dort treffe ich ihn auch, nachdem ich vom Suhrkamp-Kritikerempfang geflüchtet bin. Immerhin gab es dort Chili con Carne, mit der ich früher meine Vertreter auf Vertretersitzungen gefüttert habe, bis alle geflüchtet sind. Im Frankfurt Hof hoffe ich auf Hoffmann & Campe, aber nach der Veranstaltung, auf der Peer Steinbrück das neue Buch von Ulrich Wickert vorstellte oder umgekehrt, scheint jeder das Weite gesucht zu haben, denn es stehen nur noch vereinzelt Menschen an Stehtischen und empfangen uns mit verzweifelten Blicken. Vito von Eichborn irrt umher und geht schließlich an meinem Stehtisch vor Anker. Fünfzehn Jahre lang stand er dem Eichborn Verlag vor, aber dann hatte er auf einmal immense Schulden, von denen er gar nichts wußte und verkaufte daraufhin ganz schnell seinen Anteil am Verlag. Übrig blieb ihm allerdings nichts. Weiter machte er bei Rotbuch, bis der Verlag abgewickelt wurde, bzw. aufgekauft wurde, und beim Europa Verlag hatte er ebenfalls ein Intermezzo, aber mit dem ging es auch den Berg hinab. Vor zwei Jahren hat es ihn dann nach Mallorca verschlagen, wo er gerade mit drei Büchern über regionale Besonderheiten auf dem Kioskmarkt drängt. Auch als Agent soll er tätig sein. Unklar ist allerdings, ob er als Literaturagent oder als andererweitiger Agent tätig ist. Das Schönste aber ist, das er wegen einer alten Liebe auf die Urlauberinsel ging, und als die alte Liebe nicht hielt, was sie versprach, kehrte er zurück und fragte seine Frau, ob sie ihn wieder zurücknehmen würde. Ich versprach ihm daraufhin, einen Soundtrack zu dieser Geschichte zusammenzustellen.
Bei Rowohlt stieß ich dann auf den Vorsitzenden der Partei, Martin Sonneborn, der inzwischen von der »besten Partei« auf Island in den Schatten gestellt wird, wo der Bürgermeister von Rekjavik freie Handtücher für alle in Saunen forderte und versprach, das Parlament in den kommenden Jahren drogenfrei zu machen. Auch da geht es also lustiger zu als in Deutschland. Danach wurde das ganze etwas unübersichtlich, weil sich hinter meinem Rücken Matthias Matussek anschlich. Ich streichelte seinen stattlichen Bauch, aber er wollte nur Oliver Maria Schmitt die Fresse polieren oder so etwas ähnliches, weil der über sein Papst-Buch in der »Titanic« schlecht geschrieben hatte. Die Debatte der beiden darüber, ob das Buch gut oder schlecht sei, zog sich hin und konnte auch nicht durch den berühmtesten Kolumnisten Deutschlands, Hans Zippert, beendet werden, der gerüchteweise eine halbe Million im Jahr zusammenkolumniert und sogar, wie er versicherte, 1000.- Euro Vorschuß auf Bücher erhält, für die er vorher noch keinen Strich getan hat. Auf der Rowohlt-Party erfährt man immer viel nützliches, wobei mir nie richtig klar wird, worin das nützliche eigentlich besteht. Aber ich schätze, das werde ich noch herausfinden.