Die Wahrheit über den 15. Bundesligaspieltag

Gegen die Zufälligkeiten und die Willkür des Fußballs versucht man oft eine Gesetzmäßigkeit zu entdecken. Ich mache da keine Ausnahme. Irgendwo in diesem Chaos muß es doch eine geheime wirkende Kraft geben, mit der sich das Durcheinander, das Auf und Ab und einer Mannschaft erklären läßt. Und natürlich bin ich fündig geworden, jedenfalls bei Dortmund, denn die Leistungsschwankungen beim BVB weisen ein besonderes Merkmal auf, das sich empirisch belegen läßt und das nach dem 2:1-Sieg der Schwarzgelben in Stuttgart wieder auffällig war. Niemand gab zunächst einen Pfifferling auf die Dortmunder, die schon seit 6 Spielen nicht mehr gewonnen, während die Stuttgarter genauso viel Spiele nicht mehr verloren hatten und sich eindeutig im Aufwind befanden. Vor allem nach dem desaströsen Auftreten der Dortmunder in Nürnberg schien jeder die Saison bereits innerlich abgehakt zu haben. Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins wurden die Spieler mit Pfiffen empfangen und Watzkes Rede wurde nach Hinweisen abgesucht, ob Doll oder Zorc in der Winterpause fliegen würden. Auf einer Pressekonferenz machte Doll einen ziemlich ratlosen und deprimierten Eindruck. Aber dann spielten die Schwarzgelben von der ersten Minute an einen Tempofußball, den ihr niemand zugetraut hätte, von dem man bislang nicht mal wußte, daß sie ihn spielen konnte. Gut, Degen war schon mal nicht dabei und der Notnagel Kruska saß auf der Bank. Kehl kommt nach eineinhalb Jahren, nachdem ihn ein Bosnier aus München kaputtgetreten hatte, langsam wieder in Form, und auch Federico scheint wieder aufzuleben. Das sind alles wesentliche Elemente, sieht man mal vom 5-Millionen-Flop Valdez ab, der wie immer seine Mühe zur Schau stellte, mit einem Ball umzugehen. Aber das ist eben nicht alles. Deutlich wurde trotz des gelungenen Comebacks aus der Krise ein Charakteristikum, das kein gutes Licht auf die Mannschaft wirft, denn gut gespielt haben die Dortmunder nur gegen Mannschaften, die sich berechtigte Hoffnungen auf einen der ersten fünf Plätze machen. Gegen Bayern sah man trotz torlosen Remis ein Klassespiel, gegen Bremen die beste Saisonleistung, gegen Leverkusen konnte man mithalten und jetzt holte man sogar drei Punkte beim aktuellen Meister, wo man sich selbst in besseren Zeiten schwer getan hatte. Gegen den Rest der Liga aber sah der BVB ziemlich scheiße aus. Offensichtlich leidet die Mannschaft unter einer völlig ungerechtfertigten Selbstüberschätzung, die Doll trotz aller zur Schau gestellten Demut nicht aus den Köpfen kriegt. Überdeutlich wurde das bereits beim Saisonauftakt zu Hause gegen Duisburg, als jeder schon vorher 100prozentig davon überzeugt war, daß der Drops gelutscht war. Hitzfeld hatte den BVB heimtückisch zum geheimen Mitfavoriten gekürt, wohl wissend, daß die Dortmunder damit nicht zurecht kämen. Und dieser Virus sitzt tief. Dieser Theorie zufolge wird Dortmund nächsten Freitag es gegen Bielefeld wieder mal vergeigen. Schließlich hat man es ja bewiesen, daß man Fußball spielen kann, aber ein gutes Spiel führt noch nicht aus dem Tabellenkeller.