Die Wahrheit über den 13. Bundesligaspieltag

Bei den Bayern hatten die Frankfurter mit Glück, ihrem Torhüter Oka Nikolov und mit viel Beton ein torloses Remis zustande gebracht. Der Geist, der einst bei der Eintracht wehte und von dem ich als »Zeuge Yeboahs« so stark infiziert war, daß sogar die Borussia in meinem Herzen zeitweise nur die 2. Geige spielte, hat sich verflüchtigt. Friedhelm Funkel läßt den berühmten »Sicherheit geht vor«-Beamten-Fußball spielen. Ansehnlich ist das nicht, eher schon ziemlich abschreckend, und deshalb war ich auf alles gefaßt, als die Eintracht im Westfalenstadion auflief. Und genauso war dann auch die 1. Halbzeit, die genau einen Höhepunkt hatte, als Klimowicz gleich in der 2. Minute eine 200prozentige Chance verdattelte. Beim Rest mochte man nur eins: Ihn schnell vergessen. Immerhin hatte es die 2. Halbzeit in sich, denn die Dortmunder bauten permanenten Druck auf. Es gab sogar zwei oder drei Szenen, in denen sie richtig gut kombinierten und man eine Ahnung davon bekam, daß vielleicht doch Potential in der Mannschaft stecken könnte (wenn man sich eines Degen entledigen würde). Das Tor aber machte Amanaditis, der eine Gelegenheit dafür benötigte, während sich Tinga, Kuba und natürlich Valdez als Chancentod erster Güte betätigten. Wenigstens Kringe stocherte den Ball ein wenig regelwidrig über die Linie. Eigentlich schade, denn vielleicht wäre es gar nicht schlecht gewesen, beim schlechtesten Saisonstart des BVB seit 20 Jahren die Schmach noch schmachvoller zu machen, um sich mal ein paar Gedanken über die verfehlte Einkaufspolitik des Dortmunder Sportdirektors zu machen, der für einen Torjäger, der nicht trifft, 5 Millionen hingeblättert hat, ganz zu schweigen von Degen und Buckley, dem beim BVB noch nie auch nur ein einziges kleines Törchen gelungen ist. Klar, daß Valdez einen Stein im Brett bei Zorc hat, weil er sich immer aufopferungsvoll in die Schlacht wirft. Das ist schön, kompensiert aber eben noch nicht die technische Schwäche, mit der der Peruaner zu kämpfen hat. Zorc war zwar ein anderer Spielertyp, aber die Einstellung kommt ihm sehr entgegen. Für einen Künstler und Techniker hat Zorc nicht so viel übrig, wenn er einen solchen überhaupt erkennen würde. Wehmütig kann man da nur nach Bremen gucken, wo man mit Diego einen Sechser im Lotto gezogen hat, der auf sehr hohem und konstantem Niveau den Unterschied zu den Gegnern ausmacht, wie gegen die Karlsruher, die mit 4:0 nach Hause geschickt wurden. Das entscheidende aber ist, daß es Spaß macht Diego zuzusehen. In Dortmund zeigt allenfalls Petric, daß er mit dem Ball ein bißchen besser umgehen kann. Rosickys Weggang konnte nie kompensiert werden. Vielleicht hätte er mit Petric einen Spielpartner gefunden. Bei Arsenal jedenfalls blüht Rosicky auf, weil er dort ein paar Mitspieler hat, die seine Spielweise kapieren. Man sollte sich nicht allzuviel Zeit dabei lassen, wieder einen Weltklassemann nach Dortmund zu holen, und vor allem Degen abzustoßen, denn sonst ist der Zug nach Europa ins internationale Geschäft bald ganz abgefahren.