Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Philipp Lahm liebt deutsche Schlager. Die darin zum Ausdruck kommende Schlichtheit der heilen Welt, die ungetrübt von irgendeinem Gedanken sinnlos vor sich hinplappert, daraus besteht das Wesen Philipp Lahms. Man muß als Fußballer selbstverständlich nicht intelligent und geistreich sein, aber wenn man sich schon ein Buch schreiben läßt, dann sollte man es wenigstens vertreten können. Lahm, der in geistiger Hinsicht seinem Namen alle Ehre macht und zu den Langweiligsten und Belanglosesten seiner Spezies gehört, eiert auf sehr erfreuliche und lustige Weise herum. Er meint alles so, wie es in seinem Buch geschrieben steht und nimmt nichts davon zurück, aber er entschuldigt sich auch bei allen, die sich beleidigt fühlen, weil er es auch wiederum nicht so gemeint habe. Wenn man allerdings etwas darüber sagen wolle, sollte man das Buch erstmal lesen, sagt Lahm. Aber warum sollte man das tun? »Ich bin authentisch«, sagt Philipp Lahm, bei dem man den Eindruck nicht los wird, er sei ferngesteuert. »Ich spreche die Dinge so an, wie ich sie sehe. Allein das ist mir wichtig. Ich achte nicht auf mein Image. Ich will einfach ›Ich‹ sein.« Und so wird dann auch das Buch sein: Eine Aneinanderreihung von Platitüden, banalen Einsichten, ödes Heruntererzählen, was die Erkenntnis hervorbringt, daß es nichts Überflüssigeres gibt als ein Fußballbuch von einem Fußballer, selbst wenn der zur verbalen Kraftmeierei greift. Lahm ist in jeder Hinsicht ein Antifußballer, der noch nie etwas zum Zauber eines Spiels beigetragen hat. Er ist schnell, zweikampfstark, ballsicher, zuverlässig, mit einer gegen Null tendierenden Fehlerquote, er steht für alle sekundären Fußballtugenden, die bei den Trainern beliebt sind, aber würde ein Spiel nur aus solchen Spielertypen bestehen, könnte man sich Fußball auch als Animation angucken, und selbst die wäre spannender. Lahm gehört zu den modernen Technokraten des Sports, nicht zu den Anarchisten oder Anachronisten, die für das Überraschende und Unerwartete des Fußballs stehen, deren Eliminierung er vielmehr betreibt, er verkörpert das Langweilige, das Gute, das Deutsche, der »hinten dicht macht« und die man dennoch braucht, damit sie in den entscheidenden Momenten gegen einen Zauberlehrling versagen und als tragische Figur enden können. Kurz gesagt, Lahm ist ein Ödling, der einen schon zum Gähnen bringt, bevor er den Mund überhaupt aufmacht, er ist die Verkörperung der neuen deutschen Biederkeit, ein braver Vollidiot, der in gestanzten Sätzen redet, deren Bedeutung er nicht versteht. Aber bevor ich mich jetzt noch weiter hineinsteigere, vielleicht noch etwas zur schönen Spielkunst. Und die wurde in Leverkusen zelebriert, wenngleich das Spiel torlos endete. Schade, denn Dortmund hatte am Ende die besseren Karten, aber bevor das Spiel zugunsten des BVB enden konnte, schritt der Mann in Schwarz ein, Herr Stark aus Ergolding, der den mittlerweile als Freiwild behandelten Götze wegen einer angeblich Tätlichkeit vom Platz stellte, obwohl Götze, wie alle in Dortmund sofort beeiden würden, keiner Fliege was zu Leide tun kann. Aber Herr Stark aus Ergolding hatte wohl etwas zu kompensieren oder irgendjemand hatte eine größere Summe Geldes auf ein Unentschieden gesetzt, denn ein reguläres Kopfballtor von Hummels pfiff er auch gleich noch ab.