Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Manche werden sagen: Naja, St. Pauli, ein Aufsteiger, kein Kunststück, aber St. Pauli ist seit Stanislawski nicht mehr das St. Pauli von früher, das den Haudrauf-und-Schluß-Fußball spielte. Und auch wenn mir die meisten Namen in der Mannschaftsaufstellung nichts sagen, heißt das nicht, daß die Jungs nicht gepflegt mit dem Ball umgehen könnten, und das bewiesen sie beim 1:1 Ausgleich, als drei elegante und schnelle Spielzüge reichten, um die hochgelobte Dortmunder Abwehr ziemlich alt aussehen zu lassen und wahrscheinlich jede andere auch. In der zweiten Halbzeit allerdings ließen die Braunen dann doch merklich nach, auch wenn ich mich nicht der Meinung des Trainers anschließen würde, der behauptete, das sei »das Schlechteste« gewesen, »was wir seit Jahren defensiv gespielt haben«. Damit nämlich schmälert er die Dortmunder Offensive, die mit Barrios und Kagawa wieder einen glänzenden Tag erwischt hatte. Wie Kagawa die Flanke zum 1:0 vorbereitete und wie Barrios und Götze sich die Kugel zuschoben, das war für das Publikum einfach ein Genuß, ein Festschmaus, ein Mjammjam, Szenen zum Dahinschmelzen und Träumen. Das wirklich Schöne an Dortmunds Fußball ist die Konzentration auf das Spiel ohne taktische oder Revanchefouls, ohne Meckern und Nickligkeiten. Das macht ihr Spiel wirklich sympathisch, und wenn sie selber gefoult werden, dann wird deshalb keine Jammeriade angestimmt. Nur Weidenfeller macht da eine unrühmliche Ausnahme als er in der Nachspielzeit Ebbers bei einer Abwehraktion aber nichtsdestotrotz absichtlich ins Gesicht schlug, wofür er hochkant vom Platz hätte fliegen müssen. Aber Schiedsrichter Stark gab ihm nicht mal eine gelbe Karte, und niemand konnte es verstehen. Jetzt sind es fünf Dreier in Folge, ein sensationeller Wert, und man muß sich wirklich die Augen reiben und fragen, was ist da eigentlich los? Und auch bei Mainz geht der Traum weiter. Die haben jetzt sogar gegen pomadige Münchner mit 2:1 gewonnen, die solche Underdogs gar nicht auf dem Zettel haben und glauben, durch Ballbesitz ließe sich automatisch ein Spiel gewinnen. Van Gaal redete anschließend wirr und meinte in aufblitzender Selbsterkenntnis, daß er immer das selbe sagen würde. Außerdem sagte er: »Wenn Sie das Spiel analysieren, dann haben wir heute schlecht gespielt.« Man kann nur hoffen, daß er in einer Woche die gleiche »Analyse« abgeben muß, denn dann geht es gegen Dortmund, und schon aus Gründen alter Feindschaft werden die Bayern die Schwarzgelben nicht unterschätzen. Da geht es um alte Wunden, als die Dortmunder für ein paar Jahren die Vormachtstellung im deutschen Fußball inne hatten und nicht nur mal zufällig oder ausnahmsweise ein Spiel gegen Bayern gewonnen haben. Außerdem können es sich die Bayern nicht leisten, schon wieder zu verlieren. Umso schöner wäre natürlich ein Sieg der Dortmunder, schon allein wegen des Widerlings van Bommel, aber in dieser Begegnung wird es auf viele Faktoren ankommen, und letztlich auch einfach auf das Glück, das seine Gunst sehr launisch verteilt, denn letztlich waren auch die beiden Tore von Mainz zwar wunderschön, gelingen in der Regel aber nur selten.