Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Als Klopp nach dem sensationellen 5:0 über Scheißhauslautern vor der Kamera auftrat, war er fahrig wie selten. Er lachte, grimassierte, das einem Angst und Bange werden konnte, er sprudelte, keuchte, japste, als ob er 90 Minuten auf dem Spielfeld gestanden hätte, und er kriegte keinen vernünftigen Satz zustande. Vor dem Spiel hatte er um die Unterstützung aller irgendwie zur Verfügung stehenden Dortmunder gebeten, und die waren gekommen. Über 70000, und das an einem Mittwoch abend. Danach flapste und flippte er umher, sein Blick irrlichterte, und man fragt sich, was wird mit diesem Mann passieren, wenn er wirklich mal was gewinnen sollte. Allerdings war dies tatsächlich eine magische Nacht, obwohl es einfach nur um drei Punkte ging, aber die Dortmunder zeigten, wie zuletzt schon gegen Schalke, ihre totale und souveräne Überlegenheit, wie man sie selten zu sehen bekommt. Hatte ich die Siege bislang, mißtrauisch wie ich bin, darauf geschoben, daß Dortmund bislang Gegner vor der Nase hatte, die alle völlig von der Rolle waren, so kam mit Kaiserslautern zwar ein Aufsteiger, aber immerhin die Mannschaft, die Bayern bezwungen hatte. Und in der ersten halben Stunde war die Partie auch ziemlich ausgeglichen, aber selbst wenn Kaiserslautern die eine Chance genutzt hätte, sie wären dennoch nicht ungerupft davon gekommen. In der zweiten Halbzeit war es dann die reine Spielfreude, die sich auf dem Feld austobte. Sahin, Kagawa, Barrios, nein eigentlich waren alle überragend, aber die Pässe von Sahin waren schon von einer Präzision, die bei jedem Trainer auf der Welt Begehrlichkeiten wecken wird, und nicht umsonst hatte Arsene Wenger schon vor drei Jahren 10 Millionen für ihn geboten. Aber das entscheidende: Es ist eine junge Mannschaft, die sich begeistern kann, die sich beweisen will und die nicht in erster Linie auf Geld, Verträge und Honorare schielt, für die Fußball noch nicht zur Routine geworden ist. Und das alles sah man an diesem zauberhaften Abend, den ich schon allein deshalb nicht erwartet hätte, weil der BVB ja erst vor drei Tagen Schalke in einer grandiosen Vorstellung auseinandergenommen hatte, und zwar vor allem durch ein beeindruckendes Pressing und ein ständiges Über-den-Platz-Fegen, was dem Gegner sichtlich den Nerv raubte. Bester Saisonstart in der Vereinsgeschichte, und ich frage mich langsam, wohin das noch führen und wann der Einbruch kommen wird, denn diese traumhafte Leistung ist über eine ganze Saison nicht durchzuhalten, nicht mal über eine halbe. Aber wenn St. Pauli nicht zum Stolperstein wird, dann ist da ja noch der FC Sevilla und die Bayern, und die haben ein bißchen mehr auf der Pfanne als die bisherigen Gegner. Und bei Bayern stellt sich mit einem Last-Minute-Treffer in Hoffenheim auch wieder der alte Dusel ein, wie überhaupt der Last-Minute-Treffer gerade wieder in Mode kommt. Nürnberg entschied die Partie gegen Stuttgart auf den letzten Drücker für sich, Leverkusen die gegen Frankfurt und Schalke schoß sich in letzter Sekunde bei den Freiburgern aus der Krise. Schade, jetzt müssen sich die gerade noch gefeierten Freiburger fragen lassen, warum sie dem mißratenen Projekt von Magath wieder auf die Beine geholfen haben.