Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Die alte Hackordnung ist immer noch nicht hergestellt. Die Bayern werden als »NULLpen« verspottet, weil sich zehn Kölner im Sechzehner zusammenrotteten und es als ihre einzige Aufgabe ansahen, den Ball irgendwie aus der Gefahrenzone wegzuschlagen. Honorig überließ man den Bayern den Ballbesitz, und davon hatten die dann reichlich. Fast 70 Prozent. Das entspricht ja auch der Philosophie van Gaals. Diesmal allerdings nutzte es nichts, auf die Geduld zu setzen, die von allen Trainern gepredigt wird, um zum Torerfolg zu gelangen. Geduld hatten auch die Kölner. Sie kamen zwar kaum über die Mittellinie, aber was hätten sie da auch tun sollen? Der Catenaccio ist nicht mehr länger eine italienische Spezialität. Die Kölner können das viel besser als der AS Rom, der sich in der CL in München 2:0 geschlagen geben mußte, wobei allerdings der Zufall seine Finger im Spiel hatte, denn gegen Rom gelang Müller ein Glücksschuß und ein Glückstor, während er gegen Köln eine riesige Chance versiebte. Auch Bremen ist außer Tritt. Schaaf konnte sich nicht erinnern, so ein schlechtes Spiel seiner Mannschaft gesehen zu haben. Und auch Frings meckerte über die Offensiven, dabei trottete auch er meistens behäbig hinterher, wenn die spritzigen Mainzer aufs Bremer Tor zumarschierten. Tuchels Mainzer haben jetzt als einzige Mannschaft alle vier Spiele gewonnen, womit auch nicht alle Fußballexperten gerechnet hätten, dennoch wird die Euphorie nicht weit tragen und wahrscheinlich werden sie gegen irgendeinen mittelmäßigen Gegner einknicken, wahrscheinlich schon am nächsten Dienstag gegen Köln. Die Stuttgarter haben nach drei Pleiten gerade noch einmal die Kurve gekriegt gegen lustlose Gladbacher, die nie so genau wußten, was sie auf dem Spielfeld eigentlich tun sollten. Sie bescherten den Stuttgartern mit 7:0 einen neuen Rekord, und das ist ja auch schön, daß eine Mannschaft in diesen Konkurrenzzeiten noch den Mut findet, viele Tore zuzulassen und einen Gegner aufzubauen, der schon ganz unten war. Leider handelte es sich dabei um Stuttgart, was von schlechtem Geschmack zeugt, der aber immer noch besser ist als gar kein Geschmack. Vollkommen geschmacklos jedenfalls fühlte sich der 2:0-Sieg der Wolfsburger gegen Hannover an, ein Spiel, das man schon zum »Nord-Derby« »hochsterilisieren« (der gute alte Haudegen Labbadia, wenn ich mich nicht irre) muß, um künstliche Spannung zu erzeugen bei zwei leblosen Mannschaften aus zwei ziemlich toten Städten. Da ändert auch Diego nichts daran, der mit seinem Wechsel nach Wolfsburg den größten Fehler seines Lebens gemacht hat. Und während Mainz noch auf seine Pleite gegen einen mittelmäßigen Gegner wartet, hat Hoffenheim die schon hinter sich, denn wer es nicht versteht, gegen die Aufsteiger aus Kaiserslautern zu gewinnen, die nichts auf der Pfanne haben außer viel Engagement, der wird auch nie deutscher Meister. Nachtragen möchte ich noch den größten Witz in der aktuellen Fußballgeschichte: Barcelona verlor letzte Woche zu Hause gegen den Aufsteiger Hercules Alicante 2:0. Beide Tore schoß der Ex-Dortmunder Nelson Valdez. Das sind schon gefühlte zwei Tore mehr als er in seiner gesamten aktiven Zeit beim BVB geschossen hat.