Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Ich wußte es. »Um ganz oben anzuklopfen, haben wir einige Male zu oft unentschieden gespielt«, sagte René Adler. Und zwar elf Mal. Diesmal gegen eine der überflüssigsten Mannschaften, die die Bundesliga zu bieten hat (außer Schalke natürlich), nämlich Köln, wo der unattraktivste Fußball gespielt wird. Könnte also sein, daß Leverkusen die Saison ohne Niederlage übersteht, aber eben doch nicht Meister wird, und es sieht ganz so aus, als ob Bayern München gar nicht auf das direkte Duell warten müßte, um die Tabellenspitze zu übernehmen (eine Prognose, die ich leichthin riskiere, auch wenn bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt war, wie hoch Bayern gegen den HSV gewonnen hat). Es ist halt wie fast immer, und deshalb ist die Meisterschaft auch so langweilig.
Viel spannender war natürlich die 135. Auflage des Ruhrderbys. Und da entpuppte sich Magath als autoritärer Unsympath, weil er Kuranyi in Schutz nahm, der nicht nur von der plötzlichen Selbsterkenntnis geschlagen wurde, »nichts im Hinterkopf« zu haben, sondern sich auch noch als hinterhältiger Fiesling entpuppte, der einen Unterkieferbruch von Mats Hummels verursachte, einem der besten Dortmunder, so daß dieser bis zu sechs Wochen ausfallen wird, ein mindestens so übles Foul wie das von dem damaligen Bayern Salihamidzic an Kehl, das ebenfalls nicht einmal mit gelb geahndet wurde. Kuranyi hatte Hummels einfach auf den herausstürzenden Weidenfeller geschubst, was Magath mit den skandalösen Worten kommentierte: »Ich habe Weidenfeller nicht gesagt, daß er Hummels mit der Faust ins Gesicht schlagen soll.« Was er stattdessen gesagt hat, wissen wir nicht, aber wahrscheinlich gab er Kuranyi den Tip, Hummels egal wie aus dem Gefecht zu nehmen, weil der Schalker bis dahin keine Schnitte gemacht hatte. Ich bin immer wieder erstaunt, wie Bilder kommentiert werden, die so eindeutig sind, daß nur ein Blinder ihre Wahrheit leugnen kann. Natürlich hat Kuranyi die Situation erkannt, natürlich sah er, daß Hummels und Weidenfeller aufeinander zulaufen und daß er den Ball nicht kriegen würde, und deshalb hat er Hummels den entscheidenden Stoß mitgegeben, der zu der Katastrophe führte. Daß das ein »glasklares Foul« war, sagte auch Hummels, auch wenn er Kuranyi entschuldigte, indem er den Stoß mit der Hitze des Gefechts entschuldigte. Klopp sagte hingegen, daß er »lieber unter der Berichterstattung als unter den Schiedsrichtern leiden« würde, denn den Dortmundern wurde ein überdeutlicher Elfer verweigert. Und damit hätte es schon mal 2:2 gestanden, und das hätte schon mal wesentlich besser ausgesehen, auch wenn Großkreutz und Valdez kläglich vor dem Tor versagten, während Schalke durch einen Glücksschuß den Siegtreffer erzielte. Der Fußballspezialist Joe Bauer hätte Valdez, der auch noch den Ausgleich der Schalker verschuldete, zum Fußballer des Jahres vorgeschlagen, und auch ich würde den Mann am liebsten zu Schalke abschieben. Da könnte er für die nächsten zehn Jahre dafür sorgen, daß Schalke auch in den nächsten 50 Jahren nicht Meister wird. Selten einen ineffektiveren Ballverstolperer und eine lahmere Ente als Valdez gesehen. Mit ihm kann sich der BVB einen internationalen Platz abschminken.