Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Nach zwei Wochen Länderspielpause hätte man annehmen können, dass Zeit genug war, um die Dortmunder nach dem peinlichen und leblosen Auftritt in München wieder aufzurichten. Reus hatte sich für die Nationalmannschaft sogar krankschreiben lassen. Aber kaum standen die Dortmunder zu Hause gegen den Tabellenletzten Paderborn auf dem Platz, knüpften sie nahtlos an ihrer zuletzt gezeigten Leistung in München an. Und daran erkennt man inzwischen die Handschrift Favres, der seinen Spielern immer wieder »Geduld, Geduld« empfiehlt, denn die Gelegenheiten würden sich dann schon ergeben. Aus dieser Taktik folgt aber nichts weiter als ein unglaublich ödes Ballgeschiebe. Inzwischen hat sich das längst auch bis nach Paderborn herumgesprochen. Die Gegner pressen munter drauf los und bringen den Titelaspiranten, dem es inzwischen unangenehm ist, vom Titel jemals gesprochen zu haben, in Nöte, die man sonst nur bei Abstiegskandidaten bewundern kann. Hinzukommen allerdings auch taktische Fehler von Favre. Einmal wurde der ungeschickt agierende Schulz auf der Außenbahn abgehängt, sodass der ihn überlaufende Pröger den Ball flach nach innen passen konnte, wo Mamba ihn nur einzuschieben brauchte. Zweimal konnte man Weigl dabei bewundern, wie er den Paderborner Angreifern einfach nicht hinterherkam. Und da fragt man sich selbst als Fußballlaie, wieso lässt Favre so hoch spielen, also bis zur Mittellinie und stellt dabei nicht gerade die als schnell bekannten Innenverteidiger Weigl und Hummels auf, weiß doch jeder, der bis drei zählen kann, dass spielerisch unterlegene Mannschaften ihr Glück einfach mit hohen Bällen in die gegnerische Hälfte versuchen, wo man dann nur einen oder zwei sprintstarke Stürmer braucht, um Erfolg zu haben. Favre aber ließ Zagadou auf der Bank, der zuletzt, als er einmal spielen dürfte, einer der stärksten war. Und selbst Akanji, der sich zuletzt zwar auch dem Leistungsnivau der Mannschaft angepasst hatte, wäre das nicht passiert, weil er einfach ein bisschen schneller ist. Das alles hätte vielleicht nicht dazu beigetragen, dass Dortmund besser spielt, aber man hätte durch diese einfache Maßnahme zwei, wenn nicht sogar alle drei Gegentore verhindern können. Allerdings hätte Dortmund dann vielleicht auch nicht in der 2. Halbzeit so furios aufgespielt, sondern im behäbigen »Geduld«-Trott weitergespielt und das Spiel wäre möglicherweise nicht 3:3, sondern 0:0 ausgegangen. Aber eins ist sicher, nicht nur die Fans haben keine Geduld mehr und ließen das auch die Spieler mit einem schönen Pfeifkonzert wissen, auch die den Dortmundern in der Öffentlichkeit entgegengebrachte Sympathie geht langsam zur Neige. Vor allem, weil die Dortmunder Auftritte merkwürdig blutleer und beteiligungslos wirken. Dortmund ist gerade dabei, zu einer Mannschaft zu verkommen, an der erfolglose Mannschaften sich aufrichten können, sich ein Erfolgserlebnis abholen können. Das ist zwar sehr sozial gedacht, aber nicht gewollt. Auch Zorc und Watzke dämmert es jetzt, dass Favre die Mannschaft nicht weiterbringt, auch wenn Reus Favre in Schutz nimmt. Zwar hat Reus natürlich recht, dass es die Spieler sind, die so meilenweit unter ihren Möglichkeiten bleiben, aber Favre scheint keinen Einfluss auf die Gruppendynamik in der Mannschaft zu haben, in der eindeutig etwas nicht stimmt. Sancho und Akanji, die bereits mit ihrem Abflug beschäftigt sind, Reus, der selbst unter einer Formschwäche leidet, Hummels, der es wahrscheinlich bedauert, in diesen Haufen geraten zu sein, den nichts miteinander verbindet, während in München wieder alles beim alten ist, seit Kovac weg ist, und bald wieder seine Kreise oben allein ziehen wird, denn auch der Spitzenreiter Gladbach hat nun bei Union Berlin verloren, und das völlig verdient.