Die Wahrheit über den 10. Spieltag

Endlich mal wieder ein Spieltag, der nicht wie früher im üblichen Einerlei schnell vergessen wird, denn die Bayern haben bei ihrer heftigen 5:1-Klatsche in Frankfurt bewiesen, dass nicht nur die Dortmunder Krise können. Was bei den Bayern los ist, weiß niemand so genau, denn vor nicht allzu langer Zeit haben sie in der CL den letztjährigen CL-Finalisten Tottenham mit 7:2 deklassiert. Danach aber folgten nur noch Rumpelspiele wie zuletzt das Pokalspiel gegen den Zweitligisten Bochum, das nur durch Glück und unverdient gewonnen wurde. Diese 5:1-Niederlage wird nicht nur das Ende von Kovac einläuten, der bei den Bossen sowieso immer nur als Notnagel begriffen wurde, sie könnte auch allen Bundesligavereinen signalisieren, dass Bayern eben auch nur mit Wasser kocht, d.h. andere Mannschaften gehen nicht mehr in ein Match mit der Haltung, hoffentlich wird es nicht so schlimm, sondern: gegen die Bayern kann man auch gewinnen, wenn man nur will. Darauf weist auch eine Aussage von Timo Werner hin: »Wenn jetzt schon Frankfurt die Bayern weghaut…«, ließ allerdings offen, was das heißen könnte. Es heißt in jedem Fall, dass sogar Leipzig Meister werden könnte, denn die haben gerade einen sensationellen Lauf, den die Mainzer über sich ergehen lassen mussten, denn sie gerieten gegen die Red-Bull-Truppe mit 8:0 unter die Räder. Im Vergleich dazu ist Dortmund gerade Mittelmaß. Gegen Wolfsburg traten sie zwar ohne Alcacer, Bürki, Sancho, Witsel, Delany und ab der 28. Minute auch ohne Reus an, aber die Restelf spielte auch nicht schlechter als die übliche Startelf, jedenfalls nicht in der ersten Halbzeit. Da hatte auch der glückliche 2:1-Sieg gegen Gladbach im Pokal nichts genutzt. Von Schwung keine Spur, sondern der übliche Ballbesitzfußball. Das änderte sich erst in der 2. Halbzeit, als Hazard freistehend von Hakimi angespielt werden konnte, weil sich kein Wolfsburger wirklich zuständig fühlte, und vom Sechzehner aus verwandelte. Kurz darauf war es Guerreiro, der auf 2:0 erhöhte. Danach hatte man nie das Gefühl, die Wolfsburger könnten zurückkommen, wie das noch bei den Remis-Spielen vorher der Fall war, als die Dortmunder krampfhaft bemüht waren, einen Sieg über die Linie zu schleppen, was regelmäßig mißlang, weil beim Gegner ein Wille vorhanden war. Den konnte man auch den in der Liga bislang ungeschlagenen Wolfsburgern zwar nicht unbedingt absprechen, aber sie waren einfach nicht in der Lage dazu, Druck zu erzeugen. Mönchengladbach ließ sich nicht von der letzten Niederlage gegen den BVB aus der Bahn werfen und gewann in Leverkusen mit 2:1, allerdings mit Hilfe einer ordentlichen Portion Glück, denn Leverkusen war in der 2. Hälfte bärenstark und hatte einige Möglichkeiten zumindest für ein Remis. Freiburg erwies sich auch in Bremen als Mannschaft des Last-Minute-Tores und erzwang sich gegen ebenfalls kämpferische Bremer ein 2:2. Im ersten Berliner Derby der Geschichte hatte Union die Nase vorn mit einem Elfmeter in der 87. Minute. Die Fans müssen allerdings noch üben. Die für ihr Proletentum bekannten Herthaner feuerten mit Leuchtmunition auf den Gegner, und die Zonen-Hooligans von Union ließen sich nach einem Ausbruchsversuch von ihren Rängen von ihren Spielern zurückscheuchen als wären sie unartige Jungs. Und das war schon fast irgendwie trollig. Jedenfalls hätte der Spieltag besser gar nicht verlaufen können.