Die Wahrheit über den 9. Spieltag

Spätestens nach dieser Woche, nach dem 0:2 in Mailand und dem 0:0 gegen Schalke, ist klar: der BVB befindet sich in einer veritablen Krise. Und diese Krise betrifft die gesamte Mannschaft, die keine schnellen Kombinationen in die Tiefe mehr zustande bringt, jegliches Risiko scheut und eine ungewöhnliche Zweikampfstärke an den Tag legt. Vielleicht liegt es ja an den Vorschusslorbeeren und der Erwartungshaltung, mit der die Mannschaft konfrontiert wurde, jedenfalls leidet man sehr unter der Einfallslosigkeit der Dortmunder. In Mailand traten die Dortmunder auf, als wollten sie nach dem 1:0-Rückstand immer noch ein 0:0 halten, und erst auf dem allerletzten Drücker versuchte man etwas offensiver zu spielen, und dann war es Guerreiro, der den Ball verlor, der zum 2:0-Konter führte. Man musste froh darüber sein, dass die Schalker ihre Chancen nicht so eiskalt nutzten wie Inter. Immerhin traf Schalke zweimal den Pfosten und einmal musste Guerreiro auf der Linie klären, aber vor allem Matondo hatte mehrere gute Möglichkeiten, die er allesamt vergab. Zum Glück für Dortmund. Die Schwarzgelben brachten hingegen nach vorne gar nichts zustande, und es ist bezeichnend, dass der einzige, der ein paar Bälle aufs Schalker Tor schoss, Sancho war. Die Schalker spielten ruppig, einsatzfreudig und liefen die Dortmunder Abwehr schon weit in der gegnerischen Hälfte an. Die Folge waren immer neue Ungenauigkeiten, grandiose Fehlpässe und Missverständnisse der Dortmundern. Witsel verlor erstaunlich viele Zweikämpfe, was er sonst nie tut. Dennoch sagt die Zweikampfquote, dass die Dortmunder um 5 Prozentpunkte besser war, und auch viele andere statistischen Werte sprachen für Dortmund oder waren wie sogar die Laufleistung ausgeglichen, nur nicht die entscheidenden, nämlich die Torschüsse, was daran lag, dass die Dortmunder ohne Stürmer spielten, der in den Sechzehner gegangen wäre, und da sie auch keine Fernschussspezialisten sind, wird es natürlich schwer, überhaupt ein Tor zu erzielen. Allerdings würde man sich Illusionen machen, ginge man davon aus, dass mit der Rückkehr von Alcacer alles besser würde. Es ist das Zutrauen der Mannschaft in ihre eigenen Kräfte und Möglichkeiten, die den Dortmundern z.Z. abgeht. Immerhin gab es kurz vor Schluss, als den Schalkern die Luft ausging, eine schöne kleine Idee von Brandt, der den Ball für Reus in einer gefährlichen Zone durchsteckte, aber der Pass war zu unpräzise, wie vieles an dem unansehnlichen Spiel mit verbissenen Zweikämpfen, die kaum einen Spielfluss zuließen. Favre scheint nicht in der Lage zu sein, dem entgegenzuwirken, wobei ihm wenig mehr einfällt als die Backen aufzublasen und die Augenbrauen hochzuziehen. Immerhin tut sich auch Bayern schwer, sogar zu Hause gegen Union, als man mit Mühe und nur aufgrund eines verschossenen Elfers von Union sich mit einem 2:1 an die Spitze setzte. Dennoch hatte Bayern Chancen für fünf, sechs Tore, und wenn sie ihre Treffsicherheit wieder zurückgewinnen, dann werden sie auch wieder ihre einsamen Runden an der Tabellenspitze drehen. Das schönste an diesem Spieltag war der 2:1-Sieg der Freiburger gegen Leipzig, mit dem sie sich zumindest für eine Nacht auf Platz 2 gesetzt haben, denn es ist an der Tabellenspitze immer noch wahnsinnig eng, weil fast die Hälfte der Liga da vorne nur drei Punkte auseinander ist.