Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Nur selten war die Liga so ausgeglichen wie in dieser Saison. Jeder scheint jeden schlagen zu können. Beim Wetten auf Wahrscheinlichkeit zu setzen, damit scheint man z.Z. garantiert falsch zu liegen. Auch diesmal gingen die meisten Spiele überraschend aus. Allen voran das glückliche Dortmunder 1:0 gegen den Tabellenführer aus Gladbach. Schon in der 1. Halbzeit lieferte Akanji eine präzise Vorlage für Embolo, die der herausstürzende Bürki nur mit großen Risiko klären konnte, und auch ein weiteres Mal musste Bürki alles aufbieten, um den allein auf ihn zulaufenden Gladbacher Stürmer zu stoppen. Die Dortmunder Abwehr ist so löchrig wie ein Schweizer Käse, die allerdings wieder einmal umgestellt werden musste, weil Favre Hakimi in die Offensive beorderte, wo er weitgehend wirkungslos blieb, weil seine Stärken auf der Außenbahn sind, denn nur wenn Hakimi von hinten Schwung und Schnelligkeit aufnehmen kann, ist er wirklich gegährlich. Der zuletzt ein- und dann wieder ausgewechselte Brandt musste im Sturm ran, weil Alcacer und Götze verletzt sind, alles in allem eine völlig neue Situation und Aufstellung. Zudem fehlten die Ideen und die Genialität Sanchos, der sich nach dem Länderspiel für die Brexit-Briten ein paar Tage frei nahm, bevor er nach Dortmund zurückkehrte. Dann verhinderte Reus gleich zweimal die Führung durch Hazard und Brandt durch Abseitsstellungen, einmal mit der Ferse, von der es nur einen sehr undeutlichen Videobeweis gibt. Immerhin gelang ihm dann doch der Siegtreffer, indem er den Ball Sommer durch die Beine schob. Zumindest hinsichtlich des Glücks war dieser Sieg ein eindeutiger Fortschritt gegenüber den 2:2-Ergebnissen, über die Dortmund in den letzten drei Begegnungen nicht hinauskam. Vor allem im letzten Spiel gegen Freiburg, als die Dortmunder auf Anweisung Favres einen erbärmlichen Angsthasenfußball spielten, der zurecht mit dem Freiburger Ausgleich in den letzten Minuten bestraft wurde, zeigten die Borussen eindrucksvoll, dass sie in diesem Jahr mit Sicherheit eins nicht werden, nämlich Meister. Aber Meister scheint auch sonst niemand werden zu wollen, nicht mal die Bayern, die die 2:2-Tradition der Dortmunder gegen die abstiegsbedrohten Augsburger fortsetzten und dabei wie schon zuletzt gegen Hoffenheim jede Menge Chancen ausließen. Aber im Unterschied zu Dortmund haben die Bayern wenigstens Chancen, was man von Dortmund nicht wirklich behaupten kann. Freiburg hingegen, die dem BVB zumindest einen Punkt abgeluchst haben und ganz vorne mitspielen, verloren aus lauter Angst vor ihrem Erfolg bei Union Berlin, das bislang nur ein Spiel gewinnen konnte, nämlich das gegen Dortmund. Und Wolfsburg hält sehr zäh an seiner Serie fest, nicht zu verlieren, diesmal allerdings sogar in Leipzig, bei denen man zunächst den Eindruck hatte, sie würden der Liga entfleuchen. Es war ein 1:1 der unattraktiven Sorte, ebenso wie das 1:1 der Herthaner bei den ersatzgeschwächten Bremern, die einfach nicht gewinnen können, obwohl es der Trainer seiner Mannschaft und den Fans versprochen hatte. Vielleicht handelt es sich gar nicht um eine Ausgeglichenheit der Liga, sondern nur um eine allgemeine Schwäche, die sie befallen hat, wo die sogenannten Underdogs durch großes Engagement und Kampfeswillen den Favoriten das Leben schwer machen, die Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren.