Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Nach der Blamage vor zwei Wochen bei Union Berlin, wo die Dortmunder einen ziemlich ratlosen Eindruck gemacht haben, als sie einem ständigen Pressing ausgesetzt waren und nach der Devise Favres sich »geduldig« den Ball um den Strafraum zuschoben, aber nie gefährlich zum Abschluss kamen, um sich mit sehenswerten Fehlern auskontern zu lassen, nach diesem Grottenspiel war natürlich »Wiedergutmachung« angesagt. Man munkelte sogar, dass es im Mannschaftsgefüge knisterte, dass Hummels die hierarchischen Strukturen durcheinandergebracht hätte, dass Reus einfach kein Leader sei, was ja auch stimmt, dass Favre nicht unumstritten sei, weil er nicht mit der Leidenschaft ans Werk gehe, die notwendig ist, um junge Spieler begeistern, und stattdessen immer nur »Geduld Geduld« predige, was ebenfalls stimmt. Und deshalb galt es nach der nicht eingeplanten Niederlage gegen einen Aufsteiger mit begrenzten Mitteln gegen Leverkusen die andere Seite des BVB zu zeigen. Und tatsächlich gelang das ganz gut, denn der auf Offensive setzende Bosz, der mit diesem Konzept bislang ganz gute und bessere Ergebnisse als damals in Dortmund erzielt hatte, schaffte sogar den besten Saisonstart seit wer weiß wieviel Jahren. Leverkusen spielte also vor allem in den ersten zwanzig Minuten gut mit und hatte einige Großchancen, die Bellarabi großzügig vertat. Nach einer halben Stunde aber gab es im Zuspiel der Leverkusener ein Missverständnis, so dass sich Hakimi den Ball schnappen konnte, während Bellarabi hinterhertrottete (wofür er eigentlich sofort ausgewechselt hätte werden müssen), sodass Hakimi in aller Ruhe eine wundervolle sanfte Flanke aus dem Halbfeld in den Strafraum chippen konnte, die Alcacer direkt und auf elegante Weise verwandelte. Jetzt fing der BVB an, das Spiel zu dominieren und kurz nach der Halbzeit war es mal wieder der auf der rechten Seite sträflich alleingelassene Sancho, der in den Strafraum laufen und auf Alcacer zurückpassen konnte, der soviel Übersicht besaß, dass er einen Schuss nur antäuschte, der sowieso abgeblockt worden wäre und für Reus durchließ, der unhaltbar in die lange Ecke schoss. Das sah schon alles ziemlich gut aus, und als dann der Glaube der Leverkusener an sich selber schwand und nach dem 3:0 der unauffällig bleibende Havertz ein Frustfoul beging, war klar, das kein Anschlusstreffer mehr fallen würde, sondern höchstens das 4:0, was dann ja auch so war. Ob die Leistung ausreicht, um am Dienstag gegen Barcelona zu bestehen, darf man bezweifeln, aber immerhin war es schon mal ein Anfang. Da Bayern im 4. Spiel bereits das 2. Unentschieden hinnehmen musste, und zwar in Leipzig, die einen optimalen Start hingelegt hatten, konnte sich der BVB wieder vor die Bayern schieben. Leipzig wollte zwar unbedingt gewinnen, aber vor allem in der ersten Halbzeit hatten sie Glück, dass Lewandowski von drei Großchancen nur eine verwertete und ein Elfer nicht gegeben wurde, der zwar tatsächlich keiner war, aber normalerweise sonst immer für Bayern gegeben wird. Und sonst: Hertha verliert in Mainz und hat nur einen Punkt vorzuweisen. Und das Hochrisikospiel Köln gegen Gladbach geht ganz undramatisch 1:0 für die Fohlen aus, also alles so, wie es sein muss.