Die Wahrheit über den 1. Spieltag

Herr Seethaler ist bereits nach dem 1. Spieltag überzeugt, dass der BVB Meister wird. »Ist doch sonnenklar, Dortmund wird Meister.« Ich sollte ihm eigentlich beipflichten, wenn es da nicht die bei Dortmund-Fans eingebaute Skepsis gäbe, die einem sofort tausend Gründe nennt, die dagegen sprechen. Nur, um mal ein paar zu nennen: Immer, wenn ein Verein für die kommende Saison Ambitionen angemeldet hat, ging es in der Regel schief. Zuletzt meldete Stuttgart Ansprüche auf einen internationalen Platz an mit der Folge, dass der Verein schließlich sogar im Relegationsspiel gegen Union das Nachsehen hatte. In diesem Fall, hatte ich zwar nichts dagegen, denn wer kann schon den VfB leiden? Nicht mal eingefleischte Stuttgarter, die was auf sich halten. Die sind nämlich Kickers-Fans. Außerdem liegen noch 33 Spiele vor einem. Und in denen wird es einem nicht so leicht gemacht, wie es die Augsburger (in der letzten Saison noch der Dortmunds Angstgegener) dem BVB gemacht haben, allen voran Torhüter Koubek, der in der ersten Halbzeit noch prima einige gar nicht so einfache Schüsse abgewehrt hat, dann aber in der 2. Hälfte einige Male daneben griff. Und nach dem Augsburg-Treffer nach 31 Sekunden, gelang dem BVB außer dem schnellen Ausgleich, natürlich und fast wie immer nach genialer Vorarbeit von Sancho, erst mal kein Tor mehr, so dass man schon anfing, sich Sorgen zu machen, denn im Prinzip wird das in dieser Saison die Spiele prägen: Totale Blockade gegen kontrollierten Angriff, denn das ist die einzig mögliche Strategie, die den kleinen Vereinen übrigbleibt. Und wenn dem überlegenen Verein keine Tore gelingen, dann kann es eben so ausgehen, wie am Freitag im Auftaktspiel der Bayern gegen Hertha. Dort stand es am Ende 2:2, weil den Herthanern zwei Glückstore gelangen und die Bayern aus ihrer drückenden Überlegenheit eben auch nicht mehr Tore. Aber das ist noch das einzige Spannungselement: Das Glück der schwächeren, bzw. Pech der besseren Mannschaften. Dortmund wird aber von einer Welle der Sympathie getragen, denn endlich soll mal jemand anders Meister werden und nicht zum 8. Mal Bayern, was ja auch extrem langweilig ist. Aber so leicht werden die Bayern nicht aufgeben. Nach dem geplatzten Sane-Transfer, haben sie jetzt Coutinho an der Angel, der sich bei Barcelona nie richtig durchsetzen konnte und nach den spektakulären Transfers der Spanier noch weniger Chancen hat. Perisic allerdings, der bei Juventus keine Chancen mehr hatte, ist nicht gerade der große Fisch. Trotzdem reicht der Kader der Bayern aus, um den Dortmundern mehr als nur Probleme zu bereiten, auch wenn jeder den Westfalen bescheinigt, wie gut und klug eingekauft wurde. Und tatsächlich ist Hazard ein Gewinn, wie alle anderen Neuen auch, Hummels mit seinen präzisen Außenristpässen (auch wenn er hinten nicht immer eine bella figure macht), Julian Brandt, der gleich nach seiner Einwechslung eine sensationelle Flanke aus dem Halbfeld von Witsel direkt zum 5:1 Endstand verwandelte, und der schnelle Nico Schulz, der viel Druck nach vorne zu machen versteht und endlich mal Schmelzer ablöst, der in der letzten Zeit viel zu ideenlos agierte. Aber der Beste ist nach wie vor nicht etwa Reus, sondern Sancho, bei dem es nicht nur eine Augenweide ist, ihm bei seinen Tricks zuzusehen, sondern der bei der Vorbereitung fast aller Treffer beteiligt ist. Okay, vielleicht hat Herr Seethaler ja doch recht. Ich wünsche es ihm. Manchmal sagt er, er ist Bayern-Fan, aber so richtig glaube ich es ihm nicht.