Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Dass die Borussia nach dieser Niederlage die Meisterschaft verspielt habe, ist reiner Blödsinn, aber Dortmund hatte trotz des 1-Punkte-Rückstands keine Chance, selbst wenn sie das Spiel gewonnen hätten. Man musste nur die letzten Spiele gesehen haben, um zu wissen, das wird nichts mehr. Die Parallelen zu 2007, als die Dortmunder nach einer verkorksten Saison den Schalkern mit einem 2:0 die Meisterschaft versalzten, die stattdessen an Stuttgart ging, was auch nicht gerade schön war, sind krumm und schief und wurden nur als Mediennachricht aufgekocht. Auch wenn es niemand glaubte, spielte das Gefälle in der Punkteausbeute der beiden Mannschaften, das noch nie so groß war, keine entscheidende Rolle, denn in einem Derby ist alles auf Null gestellt. Und auch wenn Schalke in allen Spielen vorher unterirdisch gespielt hat, war das nicht aussagekräftig, denn die Dortmunder waren in der letzten Zeit auch nicht viel besser, und der souveräne Sieg in Freiburg hatte nicht viel zu bedeuten, weil Freiburg die falsche Taktik gegen den BVB gewählt hatte und Schalke die richtige, nämlich hinten zu stehen, zu mauern, nichts für das Spiel zu tun und sich hin und wieder eine gelbe Karte abzuholen. Dortmund und Favre wussten das, und trotzdem versuchten sie es wieder mit Ballbesitzfußball, mit dem sie schon gegen andere tiefstehende Mannschaften aus dem Tabellenkeller verloren hatten. Trotzdem schien das Spiel einen guten Verlauf zu nehmen, nach dem schönen Lupfer von Sancho in den Strafraum, den Götze mit dem Kopf verwandelte. Beim Torjubel wurde Sancho mit einem Gegenstand am Auge getroffen und musste am Rand behandelt werden, wo die Dortmunder Abwehr sich mit einigen dilettantischen Slapstickeinlagen hervortat, die schließlich zu einer Flanke führten, die Embolo im Zweikampf mit Weigl an dessen Arm schoss, aus ungefähr 30 cm. Der Schiedsrichter wurde von der Zentrale angewiesen, dem Reglement entsprechend einen Elfer zu geben, eine Entscheidung, die nicht nur für Favre »total lächerlich«, »skandalös« und eine »große Schande« ist, denn schließlich kann sich ein Spieler ja nicht die »Arme abschneiden«. Caligiuri verwandelte sicher, weil Bürki wie immer die falsche Ecke wählte. Nur zehn Minuten später sahen die Dortmunder bei einer Schalke Ecke wieder mehr als schlecht aus und ließen Sané das 2:1 köpfen. Dennoch war noch alles offen. Die Schalker versuchten es mit Härte und konnten sich ziemlich viel rausnehmen, ohne dass sie mehr als gelb sahen. Caligiuri beispielsweise hatte schon gelb, als er ein taktisches Foul beging, das nach dem Reglement mit gelb hätte bedacht werden müsste, aber nicht wurde. Für ein brutales Foul von McKennie gab es ebenfalls nur gelb. In dieser Hinsicht zeigte sich Referee Zwayer bei den Dortmundern weniger rücksichtsvoll, denn Reuss bekam in der 60. Minute für eine Blutgrätsche von hinten sofort rot, was nicht unangemessen war, aber man hatte nicht den Eindruck, dass Zwayer mit gleichen Maßstäben urteilen würde. Wolf, der bereits von den Schalkern übel attackiert wurde, eiferte nur fünf Minuten später Reus nach und kriegte ebenfalls rot. Beruhte die erste rote Karte auf einer falschen Einschätzung der Lage, war die zweite einfach nur bescheuert. Ab sofort bemühte sich Schalke, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, dennoch gelang den verbliebenen Dortmundern noch der Anschlusstreffer, aber im Gegenzug konnten sie aus einer Überzahlsituation den 4:2-Endstand nicht verhindern. Ein Spiel also, dass auch völlig anders hätte verlaufen können, wenn es nicht die idiotische Regel gäbe, die vermutlich nächste Saison wieder abgeschafft wird, das Spiel aber, das für Schalke eine verkorkste Saison rettete, nicht. Die Borussia hingegen belegte eindrucksvoll, dass sie kein ernstlicher Titelkandidat war, aber immerhin eine echte Drama-Queen, denn solche Auftritte sind es ja wohl, die einen emotional mitreißen und einem im Gedächtnis bleiben.