Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Kurz durfte man sich vor einer Woche Hoffnung machen, dass es im Meisterschaftskampf spannend bleibt, dass es nicht nur eine One-team-Show der Bayern wird, als der BVB gegen zuletzt gut aufgelegte Leverkusener 3:2 gewann. Aber das Spiel enthielt alarmierende Zeichen, denn wenn eine Mannschaft fast 20 Minuten lang eingeschnürt wird und kaum an den Ball kommt, dann lässt sich nicht gerade von einem souveränen Sieg sprechen. Und gleichzeitig gab es das unerklärliche Kippen des Spiels, als wie aus dem Nichts, die Dortmunder plötzlich gut kombinierend nach vorne spielten. Aber in Dortmund kennt man das, denn das ist der Systemfehler bei Bosz, den die Dortmunder in diesem Fall mal zu ihren Gunsten ausnutzen konnten, waren sie doch selbst lange genug Opfer dieser Spielweise. Jetzt aber nach der 2:1-Niederlage in Augsburg sieht man klarer. Sicher tut sich der BVB schwer gegen tief und in der Abwehr dicht stehende Mannschaften, sicher hatte man etliche Großchancen, die man in Tore hätte verwandeln müssen, sicher spielte man überlegen und mit großem Ballbesitz, aber wie ein großer Fußballphilosoph mal gesagt hat, es gewinnt diejenige Mannschaft, die weniger Fehler macht. Aber es lag eben auch daran, dass Dortmund wieder einmal gegen eine unterlegene, aber leidenschaftliche kämpfende Mannschaft kein Mittel fand, weil die bereit war, zehn Kilometer mehr zu laufen und sich in jeden Zweikampf stürzte. Reus, der darauf angesprochen wurde, sagte zwar durchaus nachvollziehbar, dass es nicht darauf ankäme, mehr zu laufen, wenn man meistens den Ball hat, sondern die Zwischenräume richtig zu besetzen, aber wenn man das offenbar nicht schafft, dann sollte man den Kampf annehmen, dann sollte man auch ins Risiko gehen und schnell spielen, statt den Ball erstmal zu sichern, man sollte pressen und drücken, wie man es in den letzten fünf Minuten gemacht hat. Kann sein, dass man dann möglicherweise, wenn es dumm läuft, spektakulär verliert, aber die Chance ist relativ gering, wenn der Gegner Augsburg heißt, der nicht mal einen Lukebakio in seinen Reihen hat, also eine schnelle, gefährliche Spitze, mit der die Düsseldorfer Schalke ins Debakel stürzten. Jetzt dürften die jungen Spieler, allen voran Hakimi, der in den letzten Spielen mit krassen Fehlern mindestens vier Gegentore verschuldete, so verunsichert sein, dass auch für die nächsten Spiele nichts mehr zu erwarten ist, denn ein Spiel besteht nun mal zu 50 % aus Psychologie, und wenn eine unbewusste Blockade vorhanden ist, dann kriegt man vorne auch keine Tore mehr rein, egal wie groß die Chancen sind, die einem der in der Regel ja schwache Gegner anbieten, und ein solcher waren die Augsburger, die seit 14 Spielen nicht mehr gewonnen haben. Bayern hingegen hat die alten Verhältnisse wieder hergestellt und Gladbach mit 5:1 abgekanzelt. Man ist jetzt punktgleich und fast hätte man auch den Torvorsprung der Dortmunder egalisiert. Aber das wird sich schon nächste Woche ändern, wenn der VfB nach Dortmund kommt. Wieder eine Mannschaft, die ihre gewonnenen Spiele an einer Hand abzählen kann, ihr Heil in der Abwehr suchen wird und für die sich der BVB als Aufbauhelfer betätigen kann. Dafür hat die Eintracht mit einer leidenschaftlichen Leistung, der man den Glauben an die eigenen Möglichkeiten ansieht, das Spiel gegen Hoffenheim noch in der 96. Minute gedreht. Auf Schalke hingegen herrscht Weltuntergang nach dem 4:0 zu Hause gegen Düsseldorf, wo man zum letzten Gefecht aufrief, dann aber einen blamablen Auftritt hinlegte, der in die Geschichte des Vereines eingehen wird. Nachdem Heidel schon hingeworfen hat, wird die erste Handlung seines Nachfolgers wohl darin bestehen, Tedesco zu entlassen, der einfach nicht einsehen will (»Ich bin keiner, der sich verpisst!«), dass sein Team mit ihm nichts mehr anzufangen weiß.