Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Günter Netzer betätigt sich mal wieder als Kaffeesatzleser. Er glaubt, Heynckes wäre ein toller Trainer, der Leverkusen die fehlende Konstanz bringt, er sei glaubwürdig, ehrlich, verbindlich, aber auch hart und konsequent, nur weil Leverkusen gegen eine völlig indisponierte Eintracht 4:0 gewonnen hat. Das wäre an diesem Tag vermutlich sogar der Hertha gelungen. Seit dem desolaten Auftritt gegen die Bayern im Pokal ist in der Skibbe-Mannschaft der Wurm drin. Und nicht erst seit dieser Pleite, sondern schon seit Mitte der Neunziger, als Heynckes die beste Vereinsmannschaft Europas zugrunde richtete, um mal eine alte Kamelle wieder aufzuwärmen. Leverkusen steht zwar auf Platz eins, aber nur deshalb, weil sich die ziemlich dicht folgenden Konkurrenten bislang zu doof angestellt haben. Heynckes ist jedenfalls nicht der Mann, der etwas ausrichten kann, wenn die Chemie in der Mannschaft nicht stimmt. Dann ist er ganz schnell weg vom Fenster, und ich bin mir sicher, daß der Einbruch Leverkusens noch kommt, der bei der Eintracht bereits da ist. Skibbe jedenfalls teilte der Öffentlichkeit mit, daß die Eintracht in absehbarer Zeit nach unten durchgereicht wird, wenn »wir nicht endlich Vollgas geben in allen Bereichen«, dabei preßte er »nicht endlich« in unterdrückter Aggression heraus, die seinen autoritären Charakter aufblitzen ließ. Die Fans jedenfalls kann er nicht gemeint haben, denn die gehören zu den einfallsreichsten und lustigsten der Liga überhaupt. Skibbe will einfach ein paar neue Spieler, denn Amanaditis fällt für längere Zeit aus, aber die Frage ist, ob Skibbe mit diesen wirklich etwas anfangen könnte, denn auch Maik Franz, als Stabilisator für die Abwehr geholt, entpuppt sich unter Skibbe als riskanter Unsicherheitsfaktor, dem ständig grandiose Schnitzer unterlaufen. Auch beim VfB Stuttgart geht das Elend weiter. Bei den abstiegsgefährdeten Gladbachern kamen sie nicht über ein torloses Remis hinaus, und nur Lehmann ist es zu verdanken, daß der Champions-League-Teilnehmer nicht als Verlierer vom Platz ging. Leider kam er wieder einmal ungestraft davon, als er in einem unbeobachteten Moment ein bißchen nachtrat. Da ist mir jeder lieber, der das offen tut und seinen Gegenspieler umrempelt wie Robben, weil es dann jede Menge schönen Tumult mit Rudelbildung gibt. Vermutlich schützte seine Popularität den Holländer vor einer roten Karte. Es hätte für Bayern also noch schlimmer kommen können, so kann van Gaal auch weiterhin auf seinen besten Spieler zählen. Der Rest ist ziemlich indisponiert, weil immer noch nicht jeder das System van Gaal begriffen hat, von dem ich vermute, daß es gar keines gibt. Auch Lahm hat die wahllose Einkaufspolitik von Hoeneß kritisiert, der bei Robben zugriff, weil er gerade zu haben war, und der auch Gomez kaufte, der mehr oder weniger bei den Bayern versauert, was darauf schließen läßt, daß es Hoeneß nur darum ging, die Stuttgarter zu schwächen. Und das wäre ja auch nicht das erste Mal, daß Hoeneß mit dieser Strategie arbeitet. Nur scheint es diesmal nicht zu klappen. Jetzt liegen die Hoffnungen auf den Wunderheiler Ribery. Tja.