Die Wahrheit über den 11. Spieltag

Es war ein rührender Moment als Dede vom Schiedsrichter vom Platz geschickt wurde. Er blutete aus der Nase, hatte Gleichgewichtsstörungen und sah auf einem Auge nur noch verschwommen, nachdem er in einem Luftkampf von seinen eigenen Leuten Weidenfeller und Hummels in die Zange genommen worden war und es mir schon vom Hinsehen schlecht wurde, wie der kleine Brasilianer am Kopf getroffen zu Boden fiel und dort gleich noch mal mit dem Kopf unglücklich aufschlug. Dede wollte trotzdem weitermachen, aber im Fokus der Kamera geraten, schwankte er merkwürdig. Und als er vom Platz schlich, sah es so aus, als könne er es nicht fassen und weinte. Es stellte sich heraus, daß er eine Gehirnerschütterung hatte. In der Kabine kotzte er und konnte sich später an nichts mehr erinnern. Dede ist einer der integersten und sympathischsten Spieler der Liga, unverwüstlich optimistisch und einer, der auch ohne Konkurrenz immer eine konstant hohe Leistung bringt. Er gehört immer noch zu den besten Linksverteidigern der Liga, der ohne Fouls auskommt und ohne die fiesen Tricks eines Rafhina. Man muß ihn einfach gern haben. Applaus brandete auf in der Milchbar beim Abgang Dedes. Dazu bot sich ansonsten wenig Gelegenheit im Spiel gegen Hertha, dennoch war es weit besser, als ich angenommen hatte, denn von einer Mannschaft, die 4 Punkte aus 10 Spielen geholt hat, kann man keinen grandiosen Fußball erwarten. Auch nicht von einer Mannschaft, die ein paar Tage zuvor im Pokal gegen einen Amateurverein ausgeschieden ist und sich dabei sensationell dämlich angestellt hatte. Allen voran Valdez, der sich gleich zwei dicke Patzer leistete, die zu Toren führten. Dennoch spielte er wieder mit, weil er rennt und ackert, wenn zumeist auch sinnlos, denn nur selten läßt er sowas wie Können aufblitzen. Dieses aber stellte Barrios unter Beweis beim 2:0 in der letzten Minute, ein Treffer, der einem die größte Bewunderung abringt. Abgesehen von Barrios ist der BVB weit von der Form der letzten Saison entfernt, aber es ist weit weniger dramatisch als bei der Hertha, die in dieser Verfassung bereits jetzt als Absteiger feststeht. Trotz eines torlosen Remis in Stuttgart, wo Babbel eine Galgenfrist eingeräumt wurde, ist Hoeneß davon überzeugt, »wieder« Herbstmeister zu werden, obwohl Bayern das in der letzten Saison gar nicht wurde. Dennoch könnte er gar nicht so unrecht haben, denn niemand im oberen Tabellendrittel konnte sich absetzen, denn auch Leverkusen kam auf Schalke trotz einer 2:0-Führung und trotz eines spielerisch schwachen Gegners nicht über ein 2:2 hinaus. Werder hatte Glück in Nürnberg, daß sie nicht unter die Räder kamen und dank Aaron Hunt in allerletzter Minute durch einen Glücksschuß noch ein Remis schafften. Und Hamburg vergeigte es gleich ganz, denn ausgerechnet gegen die »grauen Mäuse der Liga«, wie die Gladbacher in Hamburg genannt wurden, verloren die Meisteraspiranten 3:2. Und Wolfsburg kriegte gegen die auswärtsstarken Mainzer nur ein 3:3 zustande. Es sind also immer noch nur vier Punkte bis zur Spitze. Das könnte selbst ein van Gaal schaffen.