Die Wahrheit über die Buchmesse 2018

Die Buchmesse reagiert nun schon seit Jahren auf die neuen Anforderungen der Zeit, und auf zwar auf sehr einfallsreiche Weise. Die Stände werden immer teurer, um den Ausfall der Kosten durch wegbleibende Verlage zu kompensieren, aber auch durch Erhöhung der Eintrittspreise. Ein Tagesticket kostete 2016 45.- Euro, 2017 68.- und in diesem Jahre nur noch 74.- Euro. Uneinsichtige Buchhändler, die keinen Sinn für die Nöte der Messe haben, die immer größer und weltläufiger wird und mit Georgien einen echten Knüller zum Messeland gemacht hat, was natürlich mit großen Kosten verbunden ist, meckern zwar, aber sie können ja schließlich auch übers Internet Bücher bestellen, wenn sie denn unbedingt welche haben wollen. Auch sonst geht die Buchmesse unbeirrt den Weg der digitalen Modernisierung. Seit diesem Jahr ist das Eintrittsticket für den Aussteller nicht mehr im Preis des Standes enthalten, sondern man muss sich dieses Ticket selbst ausdrucken, natürlich sehr einfach und in nur wenigen Stunden leicht zu machen, so dass sich jeder, der am Leitfaden scheitert und dann doch zum Telefonhörer greifen muss, um sich unter Anleitung einer geduldigen Dame durch das System des Klickens führen zu lassen, in den Genuss kommt, sich wie ein echter Vollidiot fühlen zu dürfen. Man nennt diese Methode Outsourcing, also die Verlagerung der Arbeit an den Kunden, um selbst mehr Zeit für Brainstormingkonferenzen zu haben, in denen mit großen Visionen an der Abschaffung des Buches gearbeitet wird. Der Branche geht es schlecht. Inzwischen gibt es Graphiken, aus denen durch eine nach unten fallende Kurve eindeutig hervorgeht, dass der Leser ausstirbt und immer weniger Bücher verkauft werden. Und auch wenn die verbliebenen Leser mehr Bücher kaufen, können sie den Abwärtstrend nicht stoppen. Die meisten der noch vorhandenen Leser schreiben im übrigen ihre Bücher selbst. Mit den von den Verlagen abgelehnten Manuskripte allein in Deutschland könnten, nebeneinander gelegt, die Erde eingepackt werden. Die Verlage machen dennoch weiter, in der Regel allerdings deshalb, weil die meisten Verleger, wie ich auch, sonst nichts richtiges gelernt haben und nun gezwungen sind, solange ins Büro zu gehen bis der Insolvenzverwalter an die Tür klopft. Die Zeit der rauschenden Verlagspartys ist vorbei. Rowohlt hat seine gestrichen und macht jetzt wie Suhrkamp einen Kritikerempfang, um dem unkontrollierten Ansturm der Autoren einen Riegel vorzuschieben, die sich auf Kosten Rowohlts die Kante geben. Kein Wunder, dass auf diesen Empfängen der Kulturpessimismus Konjunktur hat. Die Journalisten haben Angst, dass sie bald überflüssig sind und entlassen werden, die Verleger, dass sie auf ihren Bücher sitzen bleiben, die dann makuliert werden müssen. Aber ist das wirklich ein Wunder? Geschätzte 95 % der gesamten Buchproduktion sind Mist. Vielleicht haben die Leser das jetzt langsam gemerkt. Eigentlich ist es nur verwunderlich, dass es so lange gedauert hat. Und die restlichen 5 % haben bis auf Ausnahmen kaum jemanden wirklich interessiert. Bücher als Massenware sind wie andere Waren auch, ein ex und hopp-Produkt. Und Lesen bildet nicht, sondern verdummt. Diese Wahrheit kommt jetzt in der schönen neuen Welt des digitalen Zeitalters zum Vorschein, in der Buchstaben und Infos konsumiert werden, aber niemand mehr weiß, was er damit anfangen soll.