Die Wahrheit über den 10. Spieltag

In der Pampa muß man manchmal zu kuriosen und technisch aufwendigen Mitteln greifen, um in der Liga auf dem Laufenden zu bleiben. Mittels einer geheimen Internetadresse, die für Eingeweihte und Computerfreaks gar nicht so geheim ist, konnte ich mir das BVB-Spiel gegen Leverkusen angucken. Angeboten wurde es von einem irakischen Sender mit einem englischen Kommentator. An den entscheidenden Szenen blieb das Bild stehen oder schaltete sich automatisch kleiner, so dass das Programm ständig neu aktiviert werden mußte. Typisch irakische Technik, einfach nicht ausgereift und in gewissem Maße auch ein bißchen terroristisch, denn man mußte immer auf dem Sprung sein, um die Bilder am Laufen zu halten, die durch eine eigenartige Zeitversetzung wie in den frühen Tagen des Films wirkten, fast ein wenig slapstickhaft. Immerhin ließ sich trotz dieser widrigen Umstände das Spiel ganz gut lesen. Es war ein typisches Dortmunder Spiel. Von Beginn an setzten sie den Gegner durch Engagement und Spielfreude in Erstaunen, und zwar so sehr, dass ihnen auch gleich bei der ersten Chance ein wunderschönes Tor gelang durch den Welttorjäger Barrios, und bei diesem Tor sah der so hochgelobte Finne Hyypiä gar nicht gut aus, genau genommen ging der Treffer auf seine Kappe. Es sollte allerdings die einzige Chance der Dortmunder bleiben, denn der Elan konnte nicht aufrechterhalten werden und die Leverkusener ließen auch nicht mehr zu. Die Dortmunder spielten was sie konnten, und das ist aufwendig und kräftezehrend, aber sie hielten durch. Sie hatten den Leverkusenern zwar nicht wirklich etwas entgegenzusetzen, aber Torchancen ließen sie nicht zu, auch wenn sie spielerisch unterlegen waren und selten über drei Ballkontakte hinauskamen, bevor der Ball wieder beim Gegner gelandet war, der mehr damit anzufangen wußte. Der Ausgleich war fast eine Kopie des Dortmunder Treffers, und insofern war das Spiel nicht besonders aufregend, aber einen Punkt nimmt man vom Spitzenreiter immer gerne mit, und man ist fast versucht, das als Fortschritt zu sehen, denn in der Begegnung mit einer Spitzenmannschaft hat Dortmund bislang noch keine Schnitte gemacht. Aber immer noch besser als der Champions-League-Teilnehmer Stuttgart, dem gar nichts mehr gelingen will. Sogar Hannover ließen sie alle Punkte, wenngleich mit Pech. Und schon wird der letzte Saison noch als Heilsbringer gefeierte Babbel von der Presse abserviert, während der Verein noch an ihm festhält, aber der Macht von “Bild” ist auch Held nicht gewachsen. Bayern hingegen zog seinen Kopf gerade mal so und in letzter Minute durch einen Trick van Gaals aus der Schlinge. Überlegen ohne Ende hatte Bayern große Mühe, eine nicht sonderlich engagierte Frankfurter Elf dazu zu bewegen, die Punkte in München zu lassen. Diese knappen Spiele gehen Hoeneß ziemlich an die Nieren, weil von der Bayern-Arroganz, die keinen Zweifel daran ließ, wer gewinnen würde, nicht mehr viel übrig geblieben ist. Und weil es so aussieht, als ob Bayern zwar oben mitspielen wird, aber viel mehr eben auch nicht Die Liga von oben herab zu kontrollieren, das war einmal.