Die Wahrheit über den 8. Spieltag

Vier Spieltage waren die Bayern sieglos geblieben. Dafür gibt es vermutlich alle möglichen Gründe, wie z.B. die Überalterung des Kaders, Verletzungspech, vielleicht schlechte Stimmung. Man steckt nicht drin, aber ein Grund dürfte es sicherlich nicht gewesen sein, nämlich die Presse, weil sie so schlecht über die Bayern schreibt. Bislang haben sich die Profis nicht durch intellektuelle Anstrengung hervorgetan, vielmehr sind sie eben schnell beleidigt, weil sie sich als Millionäre und durch ihren Status als Stars unantastbar fühlen und mindestens eine Hofberichterstattung erwarten, was häufig ja auch der Fall ist. Hoeneß und Rummenigge haben ihren schlechten Ruf noch etwas vertieft und auf einer Pressekonferenz zu verstehen gegeben, dass sie es als Majestätsbeleidigung ansehen, wenn »herabwürdigend«, ja sogar »Menschenverachtend« über den Verein und die Spieler berichtet wird. Damit konfrontiert, dass Hoeneß auch nicht gerade zimperlich ist und andere Spieler schon mal als »geisteskrank« bezeichnet hat, suchte Hoeneß Zuflucht in der hochkochenden Emotionalität unmittelbar nach dem Spiel, auch wenn der »Scheißdreck«, den jemand gespielt haben soll, schon eine Stunde lang vorbei war. Und Rummenigge berief sich gar auf Artikel 1 des Grundgesetzes und jeder noch so gewogene Reporter muss vor Scham angesichts dieser Peinlichkeit in den Erdboden versunken sein. Jedem dürfte klar gewesen sein, dass dieses Manöver – ganz wie Mourinho das immer gemacht hat – dazu diente, die Aufmerksamkeit auf den Vorstand zu lenken, um die Spieler aus den Fokus zu nehmen. Und das hat dann ja auch geklappt, denn die Bayern gewannen ziemlich souverän in Wolfsburg mit 3:1, was sie allerdings vermutlich auch getan hätten, hätte es die Pressekonferenz nicht gegeben, auf der Rummenigge sich über die »faktische« Berichterstattung beschwerte. Und das ja auch irgendwie zu recht, denn würde jeder immer nur die Fakten referieren, wäre die Langeweile vollkommen. Für die Fakten gibt es das Fernsehen, wo man mit eigenen Augen immer noch unterschiedliche Fakten wahrnimmt, aber wenn man schon liest, will man ein bisschen mehr erfahren. Denn was macht schließlich den Fußball aus? Das Theater, die Ausraster, die Beschimpfung, die ungerechtfertigten Anschuldigungen und niemand weiß das besser als Hoeneß, der immerhin schon mal spielsüchtiger Börsenspekulant war und jetzt auch noch eine lächerliche Figur aus der Muppetshow. Das Erstaunliche ist nur, dass solche Figuren einen so umsatzträchtigen Verein wie Bayern führen, aber gerade weil das so ist, können sie sich gar nicht lächerlich genug machen, denn wären sie nicht durch ihren Status geschützt, könnte man sie auch für einen Fall für die Anstalt halten. Aber in jedem Fall hatte die Show einen großen Unterhaltungswert, und zwar auch deshalb, weil die bitteren Vorwürfe der beiden Chefs, dass viele der Pressevertreter sie gerne verlieren sehen würden, so herzzerreißend waren. Und man fragt sich bereits, was noch zu erwarten sein wird, wenn die Bayern wieder verlieren sollte. Der BVB jedenfalls kann dem absurden Theater entspannt zusehen. Mit 4:0 gewann man diesmal in Stuttgart, ausnahmsweise mal in der ersten Halbzeit, wo man mit einem 3:0 schon frühzeitig alles klar machte, während man die ersten 15 Minuten der 2. Halbzeit mit Glück überstand, als die Schwaben so nett waren, allergrößte Chancen zu versieben.