Die Wahrheit über den 28. Spieltag


Ich hatte auf dem taz-Kongreß mein BVB-Abzeichen am Revers. Von verschiedenen Seiten wurde mir hochachtungsvoll Reverenz erwiesen. Ein geknickter KSC-Fan gratulierte mir, und auch ein Frankfurt-Fan faßte mich an, um etwas von dem Glück des Erfolgs abzubekommen. Das war nicht immer so, aber kaum hat man viermal hintereinander gewonnen, steigt man erheblich im Wert. Dabei hatte ich mir keine großen Hoffnungen gemacht, als ich den dunklen Tempel des Schicksals namens »Milchbar« betrat, wo die Stimmung zwischen haltlosem Optimismus und grüblerischen Skeptizismus hin- und herschwankt, zwischen schreiender Euphorie und bierseliger Wonne. Jedenfalls ist Bochum ein unangenehmer Gegner (eine Aussage, bei der ich zugebe, daß sie auch von Beckenbauer stammen könnte, was nur beweist, daß die sprachlichen Möglichkeiten, über Fußball zu sprechen, limitiert und banal sind, wenn nicht sogar Banane), denn in der Rückrunde hatten der VfL eine Menge Auftrieb und in Bochum setzt das Gift eines Revierderbys zusätzliche Energien frei, wie man im Spiel gegen Schalke sehen konnte, als trotz vieler Verletzter die Gelsenkirchener in einem aufopferungsvollen Kampf niedergerungen wurden. Das war das mindeste, worauf man gefaßt sein mußte, und ich war mir nicht sicher, ob Dortmund wirklich darauf eingestellt war. Überraschenderweise waren sie es. Auch wenn sie zwei Glückstreffer zum Sieg brauchten, er war in jedem Fall hochverdient, denn Dortmund hatte noch zwei zusätzliche Treffer, die andere Schiedsrichter vielleicht gegeben hätten. Und schon wieder passierte ein Wunder, denn Valdez machte nicht nur das entspannende Tor zum 2:0, sondern er machte auch gleich das Tor des Monats, einen sensationellen Schlenzer über den Torwart ins rechte obere Eck, an den ich mich gar nicht satt sehen konnte und der die Milchbar zum Kochen brachte. Nur schade, daß Schalke auch schon wieder gewonnen hat und den Dortmundern in der Tabelle immer noch vor der Nase herumtanzt. Cottbus hatte einen so unterirdischen Auftritt in Gelsenkirchen, daß die Spieler den mitgereisten Fans das Eintrittsgeld zurückerstatten wollen. Das ist mal eine gute Idee und es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machte, zumindest würde es den Reichtum ein wenig von oben nach unten verteilen und dagegen wäre ja nichts einzuwenden. Wäre nur die Frage, wer darüber entscheiden würde, ob ein Spiel das Eintrittsgeld wert war oder nicht. Ich glaube, eine Instanz wie ich, der mit großer und objektiver Willkür darüber entscheiden würde, wäre dafür am besten geeignet. Obwohl Wolfsburg unter tätiger Mithilfe des Schiedsrichters gegen Leverkusen gewann, würde Magath sein Geld auf Meister Bayern setzen, die auch nicht gerade überzeugend ein 1:0 erwürgten, welches immerhin zur Folge hatte, daß sich Klinsmann und Hoeneß überglücklich in den Armen lagen und sich festhielten, als würde es sich um den wichtigsten Sieg der Vereinsgeschichte handeln. Dabei war es doch nur Arminia Bielefeld.