Die Wahrheit über den 24. Spieltag

Ein paar Fragen an Tuchel stellen sich am Ende der Niederlage der Dortmunder bei der Hertha dann doch. Wenn er schon Dembelé und Pulisic auf die Bank setzt, um ihnen eine Pause zu gönnen, warum tut er das nicht am Dienstag im Pokalspiel gegen Lotte? Warum in Berlin, müsste er doch wissen, wie unangenehm die Hertha schon immer gegen den BVB war? Und darüber sollte auch die 1:0-Niederlage der Berliner zuletzt gegen Hamburg nicht hinwegtäuschen. Und warum vertraute er Schürrle und Durm, die jede Durchschlagskraft vermissen ließen? Und warum brachte er Dembelé und Pulisic erst 15 Minuten vor Schluss und nicht schon eine halbe Stunde früher? Und warum setzte er Ginter ausgerechnet in diesem wichtigen Spiel zentral in die Abwehr, lässt er ihn doch sonst kaum spielen? Und weil Ginter eben die Spielpraxis fehlte, unterliefen ihm gleich die zwei entscheidenden Fehler, die zu den beiden Treffern der Berliner führten. Und das betrifft nur die Personalien, auch das ungewohnte Spielsystem des 3-4-1-2, das Tuchel verordnet hatte, ist bei einer Mannschaft nicht unproblematisch, die nicht nur so noch nie gespielt hat, die dieses Spielsystem mit Leuten umsetzen musste, die wie der nur selten eingesetzte Kagawa auf einer zentralen Position umsetzen sollte. Es war, als wollte Tuchel Ginter und Kagawa einen Denkzettel verpassen, als wollte er ihnen sagen: Ihr beschwert Euch, dass Ihr nicht so oft eingesetzt werdet, aber wenn ich Euch spielen lasse, verliert Ihr. Kann sein, dass ich völlig daneben liege, aber das ist eben der Eindruck, der sich ein wenig aufdrängte. Auch die für einen Außenstehenden völlig sinnlose Hereinnahme des Mittelfeldspielers Merino für Schürrle, als ob Tuchel zum Schluss ein bisschen auf Zeit spielen wollte, gab Rätsel auf. Dennoch schlug sich Dortmund gut und setzte die Hertha vor allem in der 2. Hälfte unter Druck, aber genau in dieser Phase setzte Weiser zu einem Sprint an, den Ginter nur ungeschickt an der Strafraumgrenze zu stoppen wusste. Dass Plattenhardt den Ball mit Wucht zwar, aber eben doch in die Torwartecke drosch, lässt vermuten, dass auch Bürki nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Für nicht wenige Torhüter wäre das keine unlösbare Aufgabe gewesen. Und schließlich kam dann noch die miese Nummer von Weiser hinzu, der nicht nur den Ball wegschlug, sondern sich dann auch noch theatralisch am Boden wälzte, als hätte ihn ein Elefant getreten. Irgendwie war das eine unnötige und ärgerliche Niederlage, aber nicht so ärgerlich wie zu Hause gegen Wolfsburg zu verlieren, wie das den Leipzigern passierte. Oder die 3:0-Niederlage der Eintracht in München, obwohl die Frankfurter in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft war und einige hochkarätige Chancen liegen ließ, während den Bayern die Tore einfach so gelingen, was nur den Ex-Dortmundern zu verdanken ist, Lewandowski, der zwei Tore erzielte, und Hummels, der eine 100-prozentige der Eintracht vereitelte. Jetzt hat Dortmund die Chance liegen lassen, Leipzig bis auf drei Punkte auf den Pelz zu rücken und muss jetzt aufpassen, dass sie nicht von Hoffenheim überholt werden.