Die Wahrheit über den 22. Spieltag

Freiburg hatte oft genug gezeigt, was in der Mannschaft steckt, als dass man sich keine Sorgen um Dortmund hätte machen müssen, vor allem, seit die Borussen wie eine Wundertüte spielt: Man weiß nie, was zum Vorschein kommt. Immerhin hatten die Freiburger den Bayern ein 1:1 abgetrotzt und in einigen Spielzügen wussten die Freiburger auch spielerisch durchaus zu überzeugen. Mit nur acht Fouls begingen sie zwei weniger als die Dortmunder. Und das muss man den Freiburgern hoch anrechnen, und dass sie nicht einfach durch Fouls das gegnerische Spiel zerstören wollten. Trotzdem trafen sie diesmal zu ihrem Pech auf eine glänzend aufgelegte Dortmunder Elf, die zwar immer noch jede Menge Chancen vergab, aber die deshalb nicht aufsteckte und immer neue kreierte, einmal sogar im Dreierpack kurz hintereinander. Und das Schöne war, dass alle Dortmunder sich bemühten, den zutiefst deprimierten, weil vor dem Tor unglücklichen Aubameyang wieder auf die Beine zu helfen. Alle schienen darauf bedacht zu sein, ihm verwertbare Vorlagen zu liefern, aber in der ersten Hälfte waren es trotz aller Bemühungen wieder Pleiten, Pech und Pannen, und nur Sokratis sorgte nach Freistoßflanke von Guerreiro mit einem Kopfballtreffer dafür, dass die Dortmunder nicht verkrampften, wie man das in dieser Saison schon häufiger erlebt hatte. So stand es zur Pause nur 1:0 und Fußballexperten hatten schon wieder das Spiel gegen Mainz vor Augen, als den Mainzern ähnlich chancenlos wie Freiburg aus dem Nichts der Ausgleichtreffer gelang. Ein Tor reicht eben oft nicht aus, vor allem, wenn man weiß, dass die Dortmunder Abwehr immer für einen Gegentreffer gut ist. Aber dann umspielte Reus mit einem Beinschuss an der Torauslinie seinen Gegner und schoss scharf in die Mitte, wo Aubameyang souverän und lässig den Fuß hinhielt, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Und auch Durm, der ansonsten blass wie immer spielte, gab in aussichtsreicher Position, in der er selbst hätte schießen können, zu Aubameyang, bei dem nun endlich der Knoten geplatzt war. Die Dortmunder Offensive war sehr beeindruckend. Das gab auch Streich zu, der die Niederlage auf seine Kappe nahm, weil er seine Mannschaft zu offensiv eingestellt hatte. Aber ich bezweifle, ob eine defensivere Aufstellung Dortmund an diesem Tag hätte stoppen können. Leider hat auch Leipzig wieder gewonnen, und zwar ziemlich souverän gegen Kölner, die ja immerhin zu den Anwärtern auf einen internationalen Platz gehören. Acht Punkte Vorsprung zum BVB sind nicht wenig und es sieht nicht so aus, als ob Leipzig noch einen ernsthaften Leistungseinbruch befürchten müsste. Die Bayern hatten leichtes Spiel gegen den HSV, der schon immer ein gern gesehener Gast waren, um einen neuen Torrekord aufzustellen. Das gelang zwar mit 8:0 nicht ganz, aber Lewandowski konnte seine Torbilanz aufpolieren, und auch insgesamt dürfte das den Bayern geholfen haben, die eher durchwachsenen Leistungen seit Anfang der Rückrunde zu vergessen. Die Eintracht, »die Treter-Truppe Nummer eins«, wie vom eigenen Trainer Kovac bestätigt wurde, verlor das dritte Spiel hintereinander und verliert so langsam den Anschluss nach oben. Und Roger Schmidt könnte einer der nächsten Trainer sein, der entlassen wird, denn auch wenn die Niederlage gegen Atletico Madrid noch durch ein aufregendes und toll anzusehendes Spiel gemildert wurde, zeigte sich Leverkusen zu Hause gegen Mainz wieder von seiner Schattenseite.