Die Wahrheit über den 21. Spieltag

Die leere Südtribüne Die leere Südtribüne war an diesem Spieltag die Hauptattraktion. Und vielleicht war das ja doch keine so schlechte Entscheidung des DFB, denn vielleicht geht den 24500 Fans, die nicht den ca. 500 Hooligans angehören, ja ein Licht auf und wirken auf diese Leute ein bisschen ein, wenn sie selbst unter deren schwachsinnige Aktionen zu leiden haben, so jedenfalls ein Kenner der Szene aus Dortmund. Da der Hooligans aggressiv und geschlossen auftreten, hatten sie bislang auch wenig zu befürchten, aber das Interessante war ja, dass sie mit den Transparenten über die gesamte Südtribüne verteilt waren und die restlichen 24500 Leute sich das gefallen ließen und kein einziges der Transparente entfernt wurde, weil es den Leuten nicht passte, oder ist es tatsächlich so, dass die Südtribüne den Hooligan-Block nicht nur toleriert, sondern ihn auch noch irgendwie gut findet? 88 Personen wurden inzwischen identifiziert und mit einem Stadionverbot belegt. Und ich wette, dass man keinen von denen bemitleiden muss. Dabei geht es nicht darum, sich mit jedem anderen Verein in friedlichen Koexistenz zu befinden, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Parolen und Spottgesänge früher ein bisschen origineller waren als »Bullen schlachten«, und wehmütig erinnert man sich selbst an so schlichte Gesänge wie »Mario Basler du bist ein ganz großes Arschloch« nach der Melodie von »Guantanamera«. Da Dortmund z.Z. wie eine Wundertüte spielt, man also nie weiß, was drin ist, konnte man auch gegen Wolfsburg gespannt sein, aber Wolfsburg erfüllte alle Voraussetzungen an einer Schlaftablettenmannschaft, die die Dortmunder nicht in ihren Kreisen störte. Das war schön für die Dortmunder, die allerdings trotz des am Ende deutlichen 3:0 fast an ihrer mickrigen Chancenverwertung gescheitert wären, denn Gelegenheiten, das Ergebnis zu erhöhen, hatten sie gut dreimal so viel. Man of the match war Piszczek, der mit seinem 5. Tor inzwischen zum torgefährlichsten Verteidiger der Liga avancierte und der auch noch die beiden anderen Treffer vorbereitete. Viel zu spät wurde dann noch Kuba eingewechselt, allerdings bei Wolfsburg, und von den Dortmunder Fans wie ein verlorener Sohn gefeiert. Das war wieder mal eine Situation, bei der manche wieder wussten, warum man Fan der Schwarzgelben ist. Und Bayern ermogelte sich in Berlin einen Punkt. In der 6. von den fünf Nachspielminuten erzielte wer sonst als Lewandowski den Ausgleich, was zum einen zeigt, dass die Schiris inzwischen so lange nachspielen lassen, bis die Bayern den entscheidenden Treffer erzielen, und zum anderen, dass die Bayern eben nichts wären, wenn ihnen nicht Ex-Dortmunder den Arsch retten würden. Allerdings muss man deshalb auch nicht traurig sein, wenn man weiß, wie prollig-fies der Herthaner spielen, wenn es ums Ergebnishalten geht, und wie nicht minder fies sich deren Fans aufführen, die Ancelotti bespuckten, so dass der ihnen den Stinkefinger zeigte, und wenn das ein gutsituierter, höflicher, ruhiger und in sich ruhender Italiener tut, dann kann man ermessen, wie schlecht sich einige Leute da benommen haben müssen.