Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Die zu Hertha konvertierte ehemalige BVB-FanIn Michaela erwartete von mir allen Ernstes, daß ich ins Berliner Stadion gehen würde, um den albernen Zopfträger Voronin anzufeuern. Sie flehte mich an, ja sie versuchte es sogar mit einem Argument: »Du kannst ja wohl nicht wirklich wollen, daß die Bayern schon wieder Meister werden.« Warum nicht, sagte ich eiskalt. Und wenn die Dortmunder schon im Mittelfeld herumtümpeln, dann können sie wenigstens mal wieder einen Meisterschaftskandidaten stürzen. Tatsächlich ist mir der eine wie der andere aus der Viererbande, die z.Z. die Meisterschaft unter sich auszuficht, vollkommen unsympathisch. Am liebsten wäre mir da noch Hoffenheim gewesen, aber die haben sich mit einer Niederlage in Hamburg endgültig aus dem Rennen verabschiedet, denn es klebt ihnen das Pech wie nix Gutes an den Füßen. Was in der Vorrunde wie am Schnürchen klappte, haut trotz drückender Überlegenheit einfach nicht mehr hin, während die Hamburger ein Schweineglück hatten. Obwohl meine Aversion auf alle vier Mannschaften in der Spitze paritätisch verteilt ist, gefiel es mir doch ziemlich gut, daß die Bayern in Wolfsburg so unter die Räder kamen, und was Grafite mit dem sagenhaften Hackentor gelang, das hatte Magath im Vorfeld bereits vorbereitet. Die Mannschaft, das Umfeld, die Stadt, einfach alles sei bei den Bayern besser als in Wolfsburg, sagte er und nippte an seinem Tee, es wäre ihm außerdem völlig gleich, ob er gegen die Bayern, den HSV oder Leverkusen gewonnen hätte. Das waren sehr schöne Spitzen gegen Hoeneß. Und als er schließlich den nicht verletzten Torwart auswechselte, um dem Ersatzmann angeblich eine Einsatzprämie zu verschaffen, knirschten die Bayern mit den Zähnen und van Bommel protestierte beim Schiedsrichter, als ob der die Auswechslung aus Gründen der Demütigung hätte unterbinden können. Schön an der Niederlage war, daß die Bayern an ihrem Ehrgeiz in Gestalt Lucios gescheitert sind, der sich nicht auswechseln lassen wollte, obwohl er nur noch humpelte, weshalb die Wolfsburger zwei Treffer erzielten. So souverän war der Sieg der Dortmunder in Berlin leider nicht, aber er fühlte sich viel schöner an, denn der BVB brachte Hertha die zweite Niederlage hintereinander bei, beendete zudem eine Serie von zehn Heimsiegen in Folge und stürzte den von den Berliner Medien bereits zum heißen Anwärter auf den Titel gekürten BSE-Verein. Klopp gab eine neue Parole aus: Jetzt hieße es, fleißig Punkte zu sammeln. In dieser Mission sind die anderen Vereine ebenfalls unterwegs, weshalb dieses Konzept nicht wirklich etwas neues enthält. Aber vielleicht gelingt es den Dortmundern ja tatsächlich mal, die Vorgaben des Trainers zu erfüllen. Immerhin ist Kuba zurückgekehrt, und auch wenn er noch nicht glänzen konnte, so beruhigte allein schon der Name in der Mannschaftsaufstellung. Und ein Wunder geschah auch: Valdez traf. Natürlich aus einer völlig harmlos erscheinenden Situation heraus und zufällig, jedenfalls sah es nicht so aus, als ob es beabsichtigt gewesen wäre, aber wer fragt nach dem Spiel schon danach? Außer mir natürlich.