Die Wahrheit über den 2. Spieltag

Schon am 2. Spieltag wird deutlich, dass auch der Ligafußball die Fortsetzung des langweiligen Sicherheitsfußballs ist, der bei der EM gespielt wurde und der nun offensichtlich zum Standard wird. Am offensichtlichsten wurde das im Hessenderby Darmstadt gegen Frankfurt, wo zwar gerackert und gerannt wurde, aber die spielerische Leistung erbärmlich war. Eine missglückter Flankenversuch landete unhaltbar im Toreck und bescherte den Darmstädtern den Sieg. Auch Unvermögen schießt Tore und der Zufall entscheidet lustig den Ausgang eines Spiels, aber für den Klassenerhalt wird das kaum reichen, weil auf den Zufall leider nur wenig Verlass ist. Die Stadt, von der Julian Draxler sagte, das Beste an ihr sei der Bahnhof, von dem aus man wegkomme, hat eine neue Lichtgestalt. Nachdem alle guten Spieler fluchtartig Wolfsburg verlassen haben, nachdem nicht mal die Euroleague erreicht wurde, soll es nun Gomez richten, aber der ist noch ohne Bindung zum Spiel, wie die Umschreibung dafür heißt, dass nichts funktioniert hat gegen nicht weniger limitierte Kölner, weshalb die Partie dann auch 0:0 ausging. Und auch Leverkusen versteckte geschickt die ihr nachgesagte Qualität eine ganze Halbzeit bevor die Hamburger schließlich geknackt wurden, eine Mannschaft, die nicht gerade zur europäischen Spitze gehört. Herthas zweiter Sieg in Folge gegen Ingolstadt war ebenfalls zum Wegsehen und kein Grund für Dardai, einen »großen Sekt zu öffnen«. Und auch Bayern hatte 80 Minuten lang Probleme mit engagierten Schalkern, denen danach allerdings die Puste ausging. Ein Rezept, mit dem die Bayern schon in der letzten Saison erstaunlich erfolgreich waren, denn die Gegenwehr, die die Bayern ernsthaft daran hindert, Tore zu schießen, ist so laufintensiv, dass die Gegner nach spätestens 80 Minuten platt sind. In den verbleibenden zehn Minuten entscheiden dann die Bayern das Spiel für sich. Diese Taktik geht den Dortmundern wiederum vollkommen ab. Ganz im Gegenteil kassierten sie nicht nur den Anschlußtreffer der Mainzer im 1. Ligaspiel kurz vor Schluss, sondern auch der Siegtreffer der Leipziger fiel erst in der 89. Minute, ganz einfach deshalb, weil die Leipziger mehr Leidenschaft und Ehrgeiz aufboten und am Ende immer mehr ins Spiel kamen und die Dortmunder in die Defensive drängten. Auch wenn das 1:0 glücklich war, weil ihm ein Handspiel vorausging, krankte das Dortmunder Spiel mit zunehmender Dauer an einer rätselhaften Passungenauigkeit. Da passt noch nicht viel zusammen bei den vielen neuen Spielern, während gleich drei wesentliche Stabilisatoren in allen Bereichen an allen Ecken und Enden fehlten. Bartra, der Ersatzmann für Hummels, leistete sich fürchterliche Abspielfehler, Rode konnte zu keiner Zeit das Loch stopfen, das Gündogan hinterlassen hat, und nur Schürrle bewies, dass er mindestens so viele Großchancen verdaddeln kann wie Mchitarjan in seiner schlechtesten Phase unter Klopp. Trotzdem gilt der BVB noch als die große Fußballhoffnung, dabei kann man vermutlich froh sein, wenn Dortmund die Euroleague erreicht und die Gruppenphase der CL übersteht. Dortmund hat viele talentierte junge Spieler gekauft, ihnen aber gleichzeitig so überschätzte und abgehalfterte Stars wie Schürrle und Götze vor die Nase gesetzt. Ob das die Motivation von Merino, Emre Mor und Dembele steigert? Vermutlich eher nicht.