Die Wahrheit über den 17. Spieltag

Seit drei Monaten hatten die Kölner kein Spiel mehr zu Hause gewinnen können. Da war es höchste Zeit, dass Dortmund kam und den Remis-Spezialisten einen Kick verpasste, denn plötzlich waren sie da, sieht man von der 1. Halbzeit ab als die Kölner sich ausschließlich auf die Errichtung einer Mauer vor dem eigenen Tor verlegten, liefen die langsam erlahmenden Dortmunder ständig an und zermürbten sie. Und in der Tat fehlte den Dortmundern die mentale und körperliche Frische nach dem intensiven Pokalfight gegen Augsburg am Mittwoch, als sich Köln ausruhen konnte. Das merkte man an solchen entscheidenden Figuren wie Gündogan, der nie richtig auffiel, oder auch an Aubameyang, der gegen das Kölner Bollwerk keine Schnitte machte. Dennoch waren genügend Spieler dabei, die eigentlich hätten frisch sein können, die noch nicht wirklich oft gespielt hatten, wie Hofmann und Park, der allerdings schon zur Pause als Risikofaktor ausgewechselt wurde, da sich seine Seite als Gefahrenherd herausstellte und Park sogar ein Foul im Strafraum verursachte, über das der Schiedsrichter großzügig hinwegsah. Nachdem die Dortmunder nach souveränen ersten zwanzig Minuten mit einem Kopfballtor durch Sokratis zu einer 1:0-Führung gelangt waren, schienen sie darauf zu vertrauen, den Vorsprung irgendwie über die Runden zu bringen. Im Unterschied zu den Bayern, denen das in der Regel gelingt und deren 1:0-Sieg in Hannover nie ernsthaft gefährdet war, schwingen sich die Dortmund-Gegner häufig zu ungeahnten Leistungen auf. Köln jedenfalls kämpfte, rackerte und grätschte wie die ganze Saison noch nicht. Und trotzdem musste ihnen Dortmunds Keeper Bürki zu Hilfe kommen, der den Ausgleich mit einem sensationellen Fehlpass zu Zoller erst möglich machte. Und auch das 2:1 in der 90. Minute kam kurios zustande, weil Schmelzer sich unnötig unter Druck setzen ließ und statt zu einem der freistehenden Kollegen zu spielen den Ball unkontrolliert nach vorne schlug, der postwendend per Kopf zurückkam, genau in den Lauf von Modeste, der direkt verwandelte. Ein Glückstor, das sich die Kölner erzwungen haben, weil sie gegen die zunehmend müder werdenden Dortmunder nicht nachließen. Ein unnötige Niederlage, aber mit 38 Punkten wären die Dortmunder in vielen anderen europäischen Ligen Spitzenreiter. Hierzulande haben sie das Pech, dass Bayern München mitspielen darf. Immer noch ist man zwölf Punkte besser als der CL spielende Wolfsburg, der gegen die abstiegsbedrohten Stuttgarter mit 3:1 unterging und seinen Ruf als schlechteste Auswärtsmannschaft unterstrich. Und auch in diesem Spiel wurde mal wieder unter Beweis gestellt, das 70 % Ballbesitz gar nichts bedeutet, wenn die andere Mannschaft alles in die Waagschale wirft und statt Ballkontrolle den Sieg sucht. Im Tabellenkeller trafen Bremen und Frankfurt aufeinander, die als direkte Konkurrenten sich etwas Luft verschaffen wollten. Das schaffte die Eintracht, weil sie unbedingt gewinnen wollte, obwohl Bremen sogar in Führung ging. Es war ein Triumph des Willens, aber allzu häufig wird ihnen das nicht gelingen.