Die Wahrheit über den 15. Spieltag

In der letzten Blutgrätsche schrieb ich noch, dass André Breitenreiter seine erste Niederlage gegen Bayern würde hinnehmen müssen. Jetzt war es Guardiola, dem das passierte. Angeblich wegen einer taktischen Finesse der Gladbacher, die nicht mit einer Vierer-, sondern mit einer Dreierkette operierten, um Überzahl im Mittelfeldzentrum zu haben. Das aber hätte genauso danebengehen können wie es schon beim BVB oder Wolfsburg daneben ging. Es hätte Müller nur seine Großchance nutzen müssen und Coman nicht nur Aluminium treffen. Nach der ersten Halbzeit war es mehr Glück als Taktik, dass es 0:0 stand. Und auch in der 2. Halbzeit war es vor allem die Tatsache, dass Gladbach seine Chancen konsequent nutzte. Dennoch spielt Bayern in seiner eigenen Liga und kann sich gelegentliche Ausrutscher leisten, die im Fußball nun mal nicht zu vermeiden sind, in dem Glück und Pech so nah nebeneinander liegen und der Zufall immer wieder Ergebnisse auf den Kopf stellt. Obwohl Dortmund in Wolfsburg die einmalige Gelegenheit nutzte, konnte man den Abstand zu Bayern nur auf fünf Punkte verkürzen, während man sich Wolfsburg mit zehn Punkten vom Hals hält. Sieht so aus, als ob die Hierarchie sich schon frühzeitig manifestiert, aber wenn man sieht, wie Gladbach in zehn Spielen vom letzten auf den dritten Platz vorgestoßen ist, relativiert sich die Sache wieder. Nur drei verlorene bzw. gewonnene Spiele und die beiden Borussias wären schon wieder punktgleich. Und in Wolfsburg stand das Spiel Spitz auf Knopf. Zunächst sah es so aus, als ob Dortmund die Grünweißen gegen die Wand spielen würde mit gleich zwei Lattentreffern und einigen Riesenchancen und man bekam schon das Gefühl, dass sich das rächen werde, als Mkhitaryan dem Wolfsburger Guilavogui den Ball vom Fuß spitzelte, der zur Vorlage für Reus geriet, für den es dann ein Leichtes war, das 1:0 zu erzielen. In der 2. Halbzeit jedoch kippte das Spiel. Die Dortmunder konnten nicht mehr ihr Kombinationsspiel aufziehen, es unterliefen ihnen ständig Fehlpässe. Der spektakulärste kam von Bürki, der direkt auf Bast Dost spielte, dem diese in den Schoß gefallene Möglichkeit offenbar zu einfach war. Man begann schon die Minuten zu zählen und als man es langsam geschafft zu haben glaubte, passierte es doch noch. Ein Zupfer von Piszczek, ein spektakulärer Fall von Schürrle und schon war der Schiedsrichter darauf hereingefallen und gab Elfmeter, den Rodriguez sicher verwandelte. Da war schon die Nachspielzeit angebrochen. Aber nur zwei Minuten später klappte plötzlich wieder eine wunderschöne Kombination wie am Anfang des Spiels mit Flankenwechsel und direkter Hereingabe zu dem im Strafraum alleingelassenen Kagawa. Endlich mal wieder ein in letzter Sekunde umgedrehtes Spiel. Das ist den Dortmundern schon seit Jahren nicht mehr gelungen, wahrscheinlich seit den großen Zeiten, als sie Meister wurden. Man könnte fast wieder anfangen zu träumen. Immerhin hat Sammer schon mal die Contenance verloren, als er die Journalisten anbelferte, Bayern würde seine Lektion schon lernen, jetzt sollten es auch die Journalisten tun, was immer das für eine Lektion sein sollte.