Die Wahrheit über den 14. Spieltag

Auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern verkündete Rummenigge einen Rekordgewinn von 23,8 Millionen Euro. Er würde aber trotzdem am liebsten aus der Zentralvermarktung der TV-Rechte durch die DFL austreten, um die Spiele Bayern selbst zu verkaufen und mehr dafür zu kassieren. Der Neoliberalismus im Fußball in seiner reinsten Form heißt Bayern und trägt das Gesicht Rummenigges, Sammers und Hoeneß. Wenn Bayern also die sogenannte Ligasolidarität aufkündigt, kleinere Vereine ihrer Finanzmisere überlässt und ab und zu sich aus dem Pool der talentierten Spieler bedient, dann sollte Bayern auch in seiner eigenen Liga spielen. Sie haben ja jetzt schon faktisch zwei Mannschaften, die die Meisterschaft unter sich austragen würden, wenn beide Mannschaften in der Bundesliga spielen dürften. Wenn Bayern dann noch mehr Geld hat, kann Rummenigge noch mehr Spieler kaufen und dann auch bitte seine eigene Liga gründen. Das hätte den Vorteil, dass man nicht mehr weit reisen müsste. Jedenfalls müsste man den Großraum München nicht mehr verlassen. Nur noch, um Champions-League zu spielen. Bayern hat bislang nur einmal unentschieden gespielt, und dafür waren Pleiten, Pech und Pannen nötig. In den Neunzigern noch konnte man beobachten, dass die Möglichkeit, gute und teure Spieler zu verpflichten, nicht automatisch zum Gewinn von Titeln führte. Da gab es noch jede Menge Ausreißer, also Mannschaften und Vereine, die durch eine Spielidee und mit spielerischem Zusammenhalt es ganz nach oben schafften, wenngleich das auch in der Regel nur periphere Erscheinungen waren. Der BVB dürfte für lange Zeit die letzte Mannschaft gewesen sein, die Bayern für zwei Jahre vom 1. Tabellenplatz verdrängen konnte. Das ist vorbei. Und auch die Millionen eines russischen Oligarchen nutzen nicht immer etwas. Ein bisschen Fußballsachverstand ist auch nicht schlecht. Die Vorherrschaft der Bayern, von Barca, Real Madrid und Paris St. Germain ist einfach zu drückend, als dass es noch Spaß machen würde. Nur in England wurde durch den Geldregen einiges auf den Kopf gestellt. Besser wurde der Fußball dort allerdings auch nicht. Gerne wird auf den Sportseiten eine »Mannschaft des Tages« zusammengestellt mit Spielern, die durch Tore und besondere Leistungen aufgefallen sind. Man könnte auch gleich immer die Bayern-Aufstellung nehmen. Das würde den Zustand der Liga am besten abbilden. Und sonst? Die erfolgreichen Gladbacher ließen beim Schlußlicht Hoffenheim Punkte. Aber im Unterschied zum BVB, dem das auch passiert ist, holte Gladbach noch in letzter Minute einen Zwei-Tore-Rückstand auf. Nächste Woche geht es dann gegen die Bayern, wo der sympathische André Schubert seine erste Bundesliganiederlage kassieren wird. Bremen hingegen befindet sich im freien Fall. Gegen den HSV spielte jedoch nicht nur Unvermögen eine Rolle, sondern auch Benachteiligung und Pech, denn den Bremern wurde ein klarer Elfer nicht gegeben, während beim HSV sogar abgefälschte Freistöße ins Tor gingen. Wenigstens der Zufall macht die Liga manchmal noch attraktiv.