Die Wahrheit über den 34. Spieltag

In der FAZ stellte man Gedanken darüber an, dass die mangelnde Spannung an der Spitze, an der die entscheidenden vier ersten Positionen schon einige Spieltage vorher entschieden waren, sich nun mangels besserer Alternative auf den Tabellenkeller verlagert, wo sich noch sechs Mannschaften in Abstiegsgefahr befanden. Wenn eine Liga aber ihren Unterhaltungswert daraus bezieht, wer absteigt, dann sagt das einiges über die strukturellen Veränderungen aus, die die Liga durchläuft. Mit Hannover, Stuttgart, Berlin und Hamburg befanden sich gleich vier Traditionsmannschaften aus großen Städten im Abstiegsstrudel. Mit Freiburg und dem Aufsteiger Paderborn erwischte es dann zwei Vereine aus kleinen Städten. Dafür aber steigen mit Darmstadt und Ingolstadt ebenfalls schon wieder ehrgeizige Kleinstvereine aus Städten auf mit 150000 bzw. 132000 Einwohnern. In Dortmund gehen mit 86000 mehr als die Hälfte der Einwohner dieser Städte jeden Spieltag ins Stadion. Die Liga wird dadurch nicht attraktiver, denn auch die Werksmannschaften wie Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen haben ja kaum Anhänger, weil sie die Ausstrahlung von Schlaftabletten haben. Wenn Wolfsburg auswärts spielt, gehen von den dem Verein zugeteilten Tickets jede Menge zurück, weil nur eine überschauliche Zahl von Fans aus der Autostadt des Führers Lust hat, den Verein in die Fremde zu folgen, während sich Vereine wie der Club, Union Berlin und St. Pauli im unteren Mittelfeld der 2. Liga tummeln, und 1860 München, in den Sechzigern der ehemalige Konkurrent von Borussia Dortmund und 1966 sogar Meister, sich ganz knapp auf einen Relegationsplatz retten konnte. Und mit dem von Red Bull gepamperten Leipzig drängt nun schon die vierte künstliche Elf in die erste Liga. Nun wäre es um den HSV nicht schade gewesen, und er hätte es von allen Vereinen am meisten verdient gehabt, abzusteigen, und vermutlich werden sie sich wie im letzten Jahr durch zwei überharte und unattraktive torlose Remis gegen den KSC durchsetzen. Der Trend geht in eine Richtung, die den meisten sogenannten Laber-Experten gegen den Strich geht, auch wenn es nur sentimentale Gründe sind wie bei Beckenbauer, der beim HSV mal gespielt hat, oder beim Verkäufer von Fußballschuhen Uwe Seeler. Weil aber immer mehr Geld generiert wird, das in den Betrieb gepumpt wird, bleibt es nicht aus, dass Missmanagement und Überheblichkeit sofort bestraft wird sich und stattdessen ehrgeizige, kleine Vereine nach oben schleichen wie der FC Augsburg, die sich in der nächsten Saison in Europa blamieren dürfen und dann wahrscheinlich auch gleich abstürzen, wie es die Dramaturgie für solche Vereine vorsieht, denn es bedarf für solche Vereine immer auch Glück, was Einkäufe und Spielerverletzungen angeht, und nicht nur ein kluges Management. Und wenn dieses Glück abhanden kommt, dann passiert eben das, was mit Dortmund passiert ist. Absturz auf den letzten Platz. Auch wenn sich der BVB wieder berappelte und in seinem letzten Saisonspiel ein hinreißendes Spiel gegen den direkten Konkurrenten um die Europaleague Werder Bremen ablieferte, das an frühere Zeiten erinnerte, hatte man nach dem Weggang Lewandowskis das glückliche Händchen bei Einkäufen vermissen lassen. Jetzt kommt der 27jährige Leverkusener Mittelfeldspieler Castro nach Dortmund, der nach de Bruyne und Robben die besten Ligawerte hat. Das hört sich gut an, nach kluger Einkaufspolitik, nach Sicherung einer der Plätze oben, aber nicht nach Glanz und nicht nach Titel. Und auch Tuchel traue ich Titel nicht zu. Immerhin scheint er den zuletzt wieder glänzend aufgelegten Mkhitaryan und auch Hummels überredet zu haben zu bleiben. Das ist schon mal ein großes Verdienst. Aber da die Titel mehr oder weniger schon alle für Bayern reserviert sind, kann es um solche gar nicht gehen, sondern darum, schönen und aufregenden Fußball zu spielen. Letztes Jahr habe ich den Vorschlag gemacht, dass kein Erstligaverein mehr gegen die Bayern antreten sollte. Diese Spiele würden dann mit einem 2:0 für Bayern gewertet. Sie würden Meister, was sie sowieso werden, aber ohne ein einziges Mal zu spielen. Der teure Kader könnte dann ein bisschen auf dem Trainingsplatz Elfmeterschießen üben. Eine nach wie vor schöne Idee, um der Macht des Geldes ein wenig etwas entgegenzusetzen. Jetzt ist diese Idee tatsächlich umgesetzt worden. Irgendwo in der 5. oder 6. Liga. Aus anderen Gründen, aber dennoch mit Wirkung, und sei es nur deshalb, um die Aufmerksamkeit auf einen Missstand zu lenken, wie der FC Bayern zweifellos einer ist.