Die Wahrheit über den 23. Spieltag – Das 146. Derby

Als in der 78. Minute das 1:0 im Revierderby BVB gegen Schalke fiel nachdem ein vom Gegner abgeprallter Ball Aubameyang vor die Füße fiel, der ihn am Torwart vorbei in die Ecke spitzelte, da fiel allen eine Zentnerlast von den Schultern. Diesmal aber machte Aubameyang keinen Salto, sondern er lief hinter das Schalker Tor, wo er vorher unbemerkt eine Batman-Maske versteckt hatte. Aubameyang als Batman und Reus mit einer Augen-Maske als Robin. Damit lagen sie sich in den Armen und jubelten und diese ganz und gar kindische Freude war entzückend anzusehen, und diese Aktion spricht vom Selbstbewusstsein des Gabuners, weil er offenbar schon vor dem Spiel davon überzeugt war zu treffen. Allerdings, wer sollte in Dortmund sonst treffen? Bei der Ladehemmung, die die gesamte Mannschaft befallen hat. Diesmal aber sah alles ganz anders aus, auch wenn bis zum erlösenden ersten Tor fast achtzig Minuten vergehen mussten. Und ausgerechnet Aubameyang erwies sich als der größte Chancentod, immerhin versiebte er drei Hundertprozentige. 31 zu 3 Torschüsse standen am Ende zu Buche, und die drei Schüsse von Schalke trafen dabei nicht mal das Tor, während gute zehn riesige Tormöglichkeiten für den BVB sprachen. Oder eben auch nicht, denn am Ende des Spiels beschlich mich langsam das Gefühl, dass trotz der aberwitzigen Überlegenheit es ein Tag werden könnte, an dem das gegnerische Tor einfach vernagelt war. Aber das Erstaunliche war, dass die Dortmunder zu keiner Phase des Spiels nachließen, dass sie Schalke ständig unter Druck setzten oder in den Ruhephasen laufen ließen, indem sie den Ball cool in den eigenen Reihen hielten. Fast alle Spieler traten wie entfesselt auf, als hätte es nie eine Krise gegeben, in der fast alle weit unter ihren Möglichkeiten spielten. Gündogan spielte grandios und bereitete in einer sensationellen Energieleistung mit einer Flanke das 2:0 durch Mhkitaryan vor. Und der wurde dann von allen besonders gefeiert, weil ihm seit gefühlten fünf Jahren endlich wieder ein Treffer gelungen war. Alle umarmten ihn und man sah sein glückliches Gesicht aus der Masse seiner Mitspieler hervorlugen. Wie lange schon hatte ich ihm diesen Treffer schon gewünscht, weil man den Knoten förmlich spürte, der sich bei ihm in Unsicherheit und Verzagtheit niederschlug. Aber wie fast alle seine Kollegen schien er seinen verpassten Möglichkeiten nicht lange nachzutrauern, sondern er machte weiter. Und das war das Besondere. Der BVB hielt das Niveau hoch, während Schalke wahrscheinlich vollkommen überrascht war, dass es diesmal mit der defensiven Taktik Di Matteos und dem Hoffen auf gelegentliche Konter, mit denen so viele limitierte Mannschaften in Dortmund gepunktet hatten, diesmal nicht klappte. Schalkes Auftritt war unterirdisch und nicht wirklich erklärlich, denn mit ihrem Catenaccio hatten sie bislang ja durchaus Erfolg, jedenfalls mussten sie im Unterschied zum BVB nur wenige Gegentore hinnehmen. In diesem Spiel allerdings hätten es auf einmal auch acht oder sogar noch mehr Tore sein können. Wenn der BVB so weitermacht, wovon man allerdings nicht ausgehen kann, dann könnte man tatsächlich noch an den internationalen Plätzen schnuppern. So aber ist es einfach nur schön, dass man wieder weiß, wie schön sie spielen können, denn mit Kagawa, Sahin, Gündogan, Hummels, Reus, Mhkitaryan und Aubameyang hat man ein unglaublich technisches Potential.