Die Wahrheit über den 16. Spieltag

»Dobbld Oarschgfiggd«, rief der bullige Bayer mit Stiernacken und Kurzhaarschnitt neben mir beim Spiel Bayern gegen Hoffenheim und tanzte in einem grauen T-Shirt in XXXXL-Größe wie ein Bär um seinen Barhocker. Ich wußte zwar nicht, was er damit meinte, aber bereits am Freitag kündigte sich an, daß dieser Spieltag beschissen werden würde. Die Hoffenheimer hatten schöner gespielt, die Münchner spulten ihren abgebrühten Kampfmaschinenfußball herunter, van Bommel foulte im Minutentakt, Toni gestikulierte 1,5 Stunden lang über die Ungerechtigkeiten, die ihm angetan wurden, und als ihm in der allerletzten Nachspielminute zufällig der Ball vor die Füße fiel und er gar nicht anders konnte, als ihn ins Tor zu schieben, da ballerte er durchgedreht mit schwerem Gerät wie ein Amokschütze. Das sind die Gesten, die ich an den Fans der Bayern und den Spielern so abstoßend finde. Natürlich geht es im Fußball um Sieg oder Niederlage, manchmal eben auch um alles oder nichts, aber den Gegner in einem fairen Spiel zu bezwingen und sich einfach nur über einen Sieg zu freuen, das ist bei den Bayern nicht drin. Das wichtigste ist die Demütigung des Gegners, und um dieses Ziel zu erreichen, hat man so fiese Spieler wie Toni und van Bommel gekauft, und ich danke dem Fußballgott, daß van Bommel damals nicht bei Dortmund gelandet ist. Solche Leute hätten das »Siegergen«, wird dann gerne geschrieben, aber das ist nichts anderes als ein Synonym für die Fieslinge im Fußball, die verbissenen Arbeitsfußballer, die vor allem darauf aus sind, das schöne Spiel der anderen zu zerstören, weil man selber nicht dazu in der Lage ist. Klar, will jeder Fan drei Punkte haben, aber wer »ergebnisorientiert« spielt, soll die Seuche am Fuß kleben. Dieter Hoeneß, der so doof ist wie sein Bruder unangenehm angeberisch, sagte auf die Frage, was den Fußballern von früher und heute noch gemeinsam sei, »die Freude am Fußball«. Die aber kann man am wenigsten bei Hertha finden, die den ödesten Defensivfußball überhaupt spielen und skandalöserweise damit erfolgreich sind, und deshalb bin ich sogar Schalke dafür dankbar, daß die Herthaner um den verkniffenen Friedrich mit einem glanzlosen 1:0 in die Kabine geschickt wurden. Die Freude am Spiel war diesmal nur in Frankfurt zu Hause, die sich an den Bochumern mit einem 4:0-Sieg für die 5:0-Niederlage in Bremen rächten. Tristesse überall sonst. In Bielefeld konnten die Dortmunder in den letzten 37 Jahren nur einmal gewinnen, und auch diesmal spielten die Bielefelder wieder an ihrem Limit, während ich bei den Dortmundern ein wenig den Verdacht hatte, als würden sie wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Den 100-prozentigen Einsatz zeigten jedenfalls die Bielefelder, und wer soll beim BVB schon die Tore schießen? Der beste Torschütze Dortmunds ist Subotic, ein Innenverteidiger. Frei ist so verkrampft, daß ihm gar nichts gelingt, nicht mal ein Zweikampf, und Zidan übte sich wie so oft in den Kunst des Ballverstolperns, eine Technik, in der auch Kringe glänzte, als ihm freistehend vor dem Bielefelder Schlußmann das Leder zu weit vom Fuß sprang. Abgesehen aber von diesen zum Teil verletzungsbedingten Schwächen war Bielefeld wie letzte Woche schon Wolfsburg einfach stark, und wie es aussieht könnte das auch am letzten Spieltag ein Problem werden, denn Gladbach verlor zwar zu Hause gegen Leverkusen, hatte aber, wie Hans Meyer sagte, sein bestes Spiel seit langem gezeigt. Und wenn Gladbach daran anknüpfen kann, dann droht dem BVB das dritte Remis in Folge. Das wäre aber nicht das Problem, aber bitte nicht schon wieder ein ödes 0:0.